Römische Notizen

Der junge Pater Burkard Neunheuser aus Maria Laach über Pius XII. (6. Folge)

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"Etwa um 10 mag es gewesen sein, als der Papst kam (um 1/2 8 war die Basilika schon geschlossen, viele, auch manche unserer Brüder kamen nicht mehr hinein); ich sah die Kirche noch nie so voll! Zwar erklangen beim Einzug nicht die Silbertrompeten, aber die Begeisterung  war doch gross; die Non wurde vorbildlich gesungen von unseren Leuten & Schülern der Scuola di Musica Sacra von Don Sunol; P. Beat beherrschte spielend den weiten Raum.

Dann kam der Papst zum Altar, an uns vorbei; Stürme der Begeisterung umgeben ihn, alles steigt auf die Bänke trotz vieler Proteste! Als der Papst nach dem Staffelgebet zum Altar emporgeht, erhebt sich in unserem ganzen Sektor ein Sturm der Entrüstung und des Protestes: ,giù, giù, herunter von den Bänken', aber viel  erreicht wurde nicht. Ich sah alles tadellos, der Papst würdig, feierlich, nach deutscher Schule gemessen; 12 Jahre sind es her, da habe ich an einem anderen Apostelgrab (wohl in St. Matthias in Trier) ihm als Diakon beim Pontifikalamt assistiert; heute tut es der Kardinal Erzbischof von Lyon. --

Ergreifend schön, von unseren Leuten wieder sehr gut respondiert, war die Krönungslitanei, zwischen Oration udn Epistel; Vorsänger war der Protodiakon, Kard. Caccia, unten am Grabe des Apostelfürsten; in der Art der Laudes Hincmari. Der Papst selbst sprach seine Gebete völlig sicher und mit wohltuender Klarheit und - deutscher - Exaktheit.

Der Lautsprecher (der diesmal gut funktionierte) machte jedes Wort in der ganzen Basilika verständlich; während des Kanon wurde langsam auch die Menge mustergültig still (einschliesslich des Seminarklerus aller Schattierungen, der sich gewöhnlich am schlimmstgen benimmt, was man aber nicht so tragisch beurteilen darf, wenn man die Verhältnisse in der Riesenkirche kennt!): Präfaktion, der Kanon selbst, Pater Noster waren gross; es ging mir da wie immer: wenn man den Bischof der Kirche Roms, in Gemeinschaft sed et omnium circumstantium quorum tibi fides et devotio nota est ... das Opfer feiern sieht, jede seiner Handlungen verfolgen kann, alle Gebete mitsprechen kann, dann versinkt all der Apparatus vorher und nachher, der dann seinen Zweck erfüllt hat (hinzuweisen auf die Ausserordentlichkeit) und es bleibt das Wesentliche das Tun Christi und der Kirche".