„Ehre, wem Ehre gebührt“ – Zur Vergabe päpstlicher Titel und Orden unter Papst Franziskus
Von Hartmut Benz
„Abgerechnet wird zum Schluss“ ist der deutsche Titel eines Western des Kult-Regisseurs Sam Peckinpah. Weit weniger blutig, aber für den Liebhaber des Genres dennoch spannend, ist die Bilanz, die der Pontifikat von Papst Franziskus (2013–2025) auf dem Gebiet der „Onorificenze“ zu bieten hat.
Gerne zitiert wurde Jorge Bergoglios kurz nach seiner Wahl zum Pontifex getätigte Ankündigung, nun sei „Schluß mit dem Karneval“ – womit nicht nur der Einsatz vorgeblich zu auffällig würdiger liturgischer Gewandung und zu pointiert katholisch wirkender papaler Repräsentanz zählte, sondern auch das seit Jahrhunderten gängige Gewähren päpstlicher Ehrentitel an Kleriker wie Laien.
Es gab eine Zeit (zwischen 1870 und 1929, als die Päpste „Gefangene im Vatikan“ waren), da die Gebühren für die Vergabe von päpstlichen Medaillen und Orden bzw. für Monsignorate und Prälaturen die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle des von allen verlässlich fließenden Einkünften abgeschnittenen Papstes waren.
Den Gebrauch, an Priester und Laien Ehrentitel auszugeben, haben auch das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Epigonen nicht völlig aus der Welt geschafft. Wie man in jedem Generalstab der alten europäischen Monarchien sicher sein konnte, nach „X“-Jahren in der Funktion „Y“ zum „Z“-Rang befördert zu werden, so war es auch an der Kurie und den großen Ordinariaten der Weltkirche gewiß, Permanenz (und wenn möglich auch Effizienz) im Amt mit einem Zingulum und paspelierten Knöpfen versüßt zu bekommen. Der engagierte Laie konnte gleichfalls, für Engagement in einer für die Kirche dienlichen Stellung, oder durch großherzige Spenden, auf Orden und Medaillen hoffen.
Damit also sollte 2013 Schluß sein – jedenfalls im bisherigen Umfang und vor allem für den Klerus. In den 145 Monaten seines Pontifikats hat Papst Franziskus insgesamt 5.278 Männer und Frauen ausgezeichnet:
+ 3.652 Auszeichnungen gingen an Laien (entsprechend 69%) und
+ 1.626 Auszeichnungen gingen an Priester, nämlich
++ 8 Ernennungen zum Protonotar (ad instar),
++ 97 Ernennungen zum Prälaten (Prelato d’Onore di S. Santità) und
++ 1.521 Ernennungen zum Monsignore (Cappellano di S. Santità), wobei die letzten „Onorificenze“ zwei Tage vor des Papstes Ableben datiert sind.
Das mit Abstand magerste Jahr war wirklich Franziskus’ erstes Pontifikatsjahr: nur 10 Prälaten, 57 Monsignori und 102 Orden an Laien (in Summe: 169 Vergaben) knauserte der Papst heraus. Zum Vergleich: Papst Benedikt XVI. hat alleine in den letzten sieben Monaten seines Pontifikats – also vom Zeitpunkt seiner Rücktrittsankündigung 2012 bis zum Abschied vom Stuhl Petri 2013 – 20 Protonotare, 95 Prälaten und 178 Monsignori ernannt sowie 256 Auszeichnungen für Laien (in Summe also 549 Dekrete) ausgegeben. Hier hatte also der Klerus einen leichten Überhang.
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- Geschrieben von: Stefan Heid
- Kategorie: Römische Notizen
Römisches Institut der Görres-Gesellschaft


