Die Verehrung des Evangelisten Markus in Venedig ist von zentraler religiöser und kulturgeschichtlicher Bedeutung für Europa. Man denke nur an den Dom San Marco und den Löwen als Signé für Markus und die Lagunenrepublik.

Aber die Verehrung des hl. Markus geht weit über Venedig hinaus und ist mindestens genauso mit den Konkurrenzstädten Grado und Aquileia verbunden. Im Kern geht es bei der hier angezeigten Ausstellung um ein Evangeliar mit allen vier Evangelien in Latein aus dem 6. Jahrhundert, das heute in Cividale aufbewahrt wird. Ist ein solches Evangeliar schon an sich eine Sensation, so hat doch gerade dieses Exemplar eine ganz besondere Geschichte.

Im 9. Jahrhundert gelangte es nach Aquileia und im 12./13. Jahrhundert wurde davon das Markusevangelium herausgenommen und als Autograph des hl. Markus angesehen und wie eine Reliquie verehrt. Dieses Evangelium des Markus wurde nun genauso wichtig wie sein aus Alexandria hergebrachter Leichnam im Dom von Venedig.

In der Folge wurde das Markus-Evangelium nochmals aufgeteilt und an bedeutende Kirchen als Reliquien weitergegeben. 

Die Ausstellung, die noch bis zum 25. April 2027 im Palazzo Meizlik in Aquileia läuft, fügt alles wieder zusammen und reichert das nun vollständige Evangeliar mit anderen bedeutsamen Ausstellungsobjekten an, um die Markus-Verehrung insgesamt zu illustrieren.

Es handelt sich um eine unbedingt sehenswerte Ausstelllung, die erstmals überhaupt alle Fragmente wieder zusammenfügt. Es gibt dazu einen umfangreichen Katalog.

Ausstellung