Görres-Jubiläum II: Joseph Görres als Schüler
Die Koblenzer Volkszeitung bringt am 11./12. September 1926 einen langen Beitrag von Robert Stein (* 1881) über Joseph Görres, den Namensgeber der Görres-Gesellschaft, als Schüler, Lehrer und Vorgesetzter des Koblenzer Gymnasiums.
"Görres war 1785 bis 1793 auf dem Gymnasium in Koblenz. Damals begann das Schuljahr im Herbst [...]. Er wurde also mit ) 3/4 Jahren Gymnasiast. Das stattliche Schulgebäude am Jesuitenplatz, heutigentags das Stadthaus, war für damalige Verhältnisse nicht alt: 1695 war der Grundstein gelegt worden; die Anstalt selbt bestand seit 1582; die Jesuiten hatten sie gegründet und bis zur Aufhebung ihres Ordens 1773 geleitet und mit Lehrern versehen; sie war nach der Jesuiten-Schulordnung, der Radio (!) studiorum, eingerichtet und erfreute sich bei der Bürgerschaft großes Ansehens. Es gab erst vier, später sechs Klassen, nämlich 1. die infima oder prima, 2. die secunda, 3. die tertia, 4. die quarta oder syntaxis, 5. die poetica und 6. die rhetvrica (!) [...]. In Görres Jugend war die Anstalt "kurfürstliches Gymnasium" [...], nach dem Einzug der Franzosen Sekundärschule und bald nach deren Vertreibung im Jahre 1814 preußisches Gymnasium.
Als Görres die Schule besuchte, hatten [...] die Klassen durchschnittlich dreißig Schüler. Görres war stets mit obenan; er erhielt in der 1. Klasse Herbst 1786 den 1. Preis, ebenso in der 2. Klasse 1787, in der 3. Klassen 1788 den 2. Preis [...]. Von Görres' Schulzeugnissen wird immer jenes von 1789 angeführt. Dem Dreizehnjährigen bescheinigte der Lehrer: "Felicissimum ingenium, diligentia ingenio non saiis (!) congra (!), progressus satis magnus, mores pueriles" - "sehr glückliche Anlagen, Fleiß diesen Anlagen nicht entsprechend, Fortschritte einigermaßen gut, Betragen kindisch".
- Details
- Geschrieben von: Stefan Heid
- Kategorie: Aus aller Welt
Römisches Institut der Görres-Gesellschaft


