Aus aller Welt

Womit beschäftigt sich gerade Ignacio García?

In der Tat beschert mir gegenwärtig die Ausgangssperre endlich die Zeit um meine Quellen aus der Forschungsreise nach Jerusalem in einem Aufsatz zu verarbeiten. Einer dieser Quellen enthält in den ersten drei Folien den Reisebericht des Gesandten des Kustos des Heiligen Landes und zugleich Spanischlehrer des Erzherzogs und Kaisers Ferdinand Maximilian von Österreich im Jahre 1864 nach Mexiko, den ich mit der Parallelüberlieferung des Bestsellers "Eine Reise nach Mexiko" (bisher 64 Auflagen!) der Gräfin Paula Kollonitz von Kollograd (+ 1890) vergleiche.

Während der Franziskanerpater der Kustodie den Kurzaufenthalt in Rom kaum beschreibt, sind diese drei Tage am Vatikan und in der Nähe des Hofes Pius' IX. von der besagten Gräfin umso lebhafter geschildert. Gleich Tag nach der Ankunft mit dem Zug aus Civitavecchia, begegnete der reisende österreichisch-mexikanischer Hof am 19. April 1864 zwei mit dem Campo Santo Teutonico verbundenen Prälaten: Bischof Gustav v. Hohenlohe (+ 1896), der die Gruppe durch den Petersdom führte, und Monsignore Franz Xaver von Merode (+ 1874).

Beide führten die Höflinge später auch durch die Loggien und sogar in den Museen, zusammen mit Msgr. George Talbot (+ 1886) und Msgr. Edoardo Borromeo (+ 1881). Am Abend des gleichen Tages saß die Gräfin beim Staatsdinner im Palazzo Marescotti unmittelbar neben Monsignore Merode, von dem sie folgende Bemerkungen machte, die mich im Hinblick auf seinen ernsthaften Grabstein auf dem Campo Santo Teutonico (A. Weiland, Der Campo Santo Teutonico in Rom und seine Grabdenkmäler, 1988, 418f) sehr überraschten:

Monsignore Merode, damals Kriegsminister, seitdem in Ugnade gefallen, war mein Tischnachbar und der geistliche Stand hinderte ihn nicht an liebenswürdigen Redensarten, an heiteren Scherzen und Neckereien. Sein schiefer Blick hatte etwas Störendes für mich und da mein Nachbar zur Linken, der damalige österreichischer Botschafter Bach, an demselben Gebrechen leidet, so befand ich mich in einer Art Kreuzfeuer. -- Merode, ein vornehmer Belgier, war in seiner Jugend Officier gewesen und hatte erst ziemlich spät den Säbel mit dem Brevier vertauscht. Seinem ganzen Wesen hing noch etwas Soldatisches an und der Waffenrock mag ihn besser kleiden als die Soutane.

Ferner fand ich im Internet zufällig den Reisebericht eines anderen Merode, der den Campo Santo aufsuchte, nämlich des Philipp von Merode (Domsta, Hans (Hrsg.): Die Reise des Philipp von Merode nach Italien und Malta, 1586-1588. Das Tagebuch (Studien und Texte zum Mittelalter und zur Frühen Neuzeit, 12), Münster u. A. 2007). Am Abend des 16. Dezembers 1586 ist er in Rom angekommen und schrieb kurz darauf nach dem Besuch der Baustelle des Petersdoms, folgenden Satz: Der kirchoff Campi Sancti, allerengst Sancti Petri, dho der pilcher hospital ist, verschwindt ein thot corpus in 24 stunden.