Grab(platte) von Hans Held auf dem Campo Santo Teutonico

In dem von Rainald Becker und Christof Botzenhart herausgegebenen Band über "Die Bayerischen Ministerpräsidenten 1918-2018" findet sich ein Beitrag von Winfried Becker über den bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held (1924-1933), der erstaunlicherweise aus dem hessischen Erbach im Taunus stammt.

Held ist ein Jahr Ministerpräsident, als sein Bruder Hans zum Heiligen Jahr 1925 nach Rom fährt, dort aber tragischerweise verstirbt und auf dem Campo Santo Teutonico bestattet wird. Die Paderborner Schwestern, die im Haus ihren Dienst versehen, notieren in ihrer Chronik:

"Anno Santo! Heiliges Jahr! Was uns am Silvesterabend 1924 der hochwürdigste Herr Prälat (Albert) Ehrhard in seiner Predigt angekündigt hatte, ist uns geworden. Das Jahr 1925 war für uns in Wahrheit ein Jubeljahr, ein Opfer- und ein Bußjahr. Da es in den ersten Wochen des neuen Jahres ziemlich ruhig war, benutzten wir diese Zeit, die vorgeschriebenen Kirchenbesuche zu machen. Schon hatten wir fünf Besuche gemacht, als vom Generalvikariat ein Schreiben kam, das Ordensleute auch in ihren Kapellen den Ablass gewinnen könnten, was uns eine große Erleichterung war.
Noch waren sämtliche Handwerker im Neubau, als schon am 25 Februar der erste Pilgerzug eintraf. Die guten Herren waren schon zufrieden mit den Zimmern, die sie fanden; sie freuten sich, dass sie in einem deutschen Hause untergebracht waren, wo Ordnung und Reinlichkeit herrschte. Nun folgte jede Woche ein neuer Pilgerzug. Am ersten Morgen ihrer Ankunft versammelten sich die Pilger in der Kirche vom Campo Santo, wo unser Herr Rektor oder Herr Pater Kassiepe eine Ansprache hält. Dann ziehen sie schön geordnet, singend und betend, voran Kreuz und Kerzen, nach Sankt Peter zum ersten Kirchenbesuch. Die Ordnung und Andacht der deutschen bei ihren Kirchenbesuchen wirkte so, dass sogar die Italiener, die oft wie herrenlose Schafe herumliefen, versuchten es den Deutschen nachzumachen. Selbst der Heilige Vater lobte bei den Audienzen zu wiederholten Malen die Ordnung, die Frömmigkeit und den schönen Gesang der deutschen Pilger.
Da oft 30 bis 32 Herren im Hause waren und die Pforte wegen der vielen Pilger sehr viel Arbeit machte, sahen wir uns genötigt, einen zweiten Diener anzustellen.
Das heilige Jahr forderte auch einige Menschenleben von den Deutschen Pilgerzügen. Im April starb plötzlich Herr Doktor (Hans) Held, Bruder des jetzigen Ministerpräsidenten (Heinrich) Held von Bayern. Der fromme, 70-Jährige war auf dem 10. Gang zu den vier Basiliken, als der Tod ihn auf der Straße überraschte. Der Verstorbene wurde auf unserem trauten Gottesacker beigesetzt".

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