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Heinrich Denifle O.P. - geschätzt und zuweilen gefürchtet

Der Dominikaner Heinrich Denifle, gebürtig aus Tirol (1844-1905), hat selbst in katholischen Kreisen einen nachhaltig negativen Ruf, weil er ein cattolicissimus war, der Luther, dem er vielleicht im Temperament nicht ganz unähnlich war, glaubte aufgrund seiner Forschungen ein schlechtes Persönlichkeitsurteil ausstellen zu müssen. Die katholische Historiographie hat lange gebraucht, um im Zeichen des Ökumenismus diese Scharte auszuwetzen. Dass Denifle aber als Unterarchivar des vatikanischen Geheimarchivs noch wesentlich mehr Seiten hat, zeigt ein Tagungsband, den Andreas Sohn, Jacques Verger und Michael Zink vorgelegt haben. Der Band geht auf eine Tagung in Paris im Dezember 2012 zurück.

Denifle, der ein großer Mittelalterforscher war, sich mit der goldenen Zeit des Dominikanerordens befasste (deutsche Mystik) und sich etwa um die Geschichte der Universität Paris verdient gemacht hat, ist neben dem Jesuiten Franz Ehrle eine wichtige deutsche Gestalt im Vatikan in der Aufbruchszeit katholischer Geschichtswissenschaft unter Papst Leo XIII. Er ist untrennbar mit dem Campo Santo Teutonico verbunden.

1883 kam er nach Rom und wohnte im Torre dei Venti beim damaligen Eingang zum Geheimarchiv. Ab 1892 wohnte er aus gesundheitlichen Gründen im Palast der Glaubenskongregation direkt neben dem deutschen Kolleg, wo er sehr häufig Gast war und praktisch alle dortigen Historiker beraten hat. Damals lag der Eingang des Geheimarchivs, wie gesagt, noch am Stradone ai Giardini zwischen Sixtinischer Kapelle und den Quattro Cancelli (dem damaligen Eingang der Vatikanmuseen). Alle Besucher des Geheimarchivs mussten also am Campo Santo vorbeilaufen und hinder der Apsis des Petersdom weiter, ein Weg von kaum 10 Minuten.

Schon seit seiner Ankunft in Rom gehörte Denifle zum "Historischen Kränzchen" des Rektors Anton de Waal, an dem jede Woche etwa auch Franz Ehrle und Franz Hergenröther teilnahmen. Denifle gab 1892 der Görres-Gesellschaft den entscheidenden Anstoß zur Edition der Akten des Konzils von Trient, an der etwa Stephan Ehses und Sebastian Merkle, später Hubert Jedin mitgearbeitet haben.

In den Sommerwochen war Denifle häufig bei Johann Peter Kirsch zusammen mit Joseph Wilpert auf der Rheinböllerhütte im Hunsrück und später auf Burg Reichenstein am Rhein.  Sein heftiger, teutonischer Charakter standen ihm zuweilen im Weg; wegen allzu deutlicher Kritik an italienischen Archivkollegen machte er letztlich im Vatikan keine Karriere, obwohl er 1891 fast Präfekt des Archivs hätte werden können. Damals scheiterte er in Konkurrenz zu Ehrle, der es aber auch nicht wurde, sondern, kaum überraschend, ein Italiener. 

Der Band enthält Beiträge von Josef Gelmi, Miachaela Sohn-Kronthaler, Sergio Pagano, Christine M. Grafinger, Volker Leppin u.a.

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