Römische Notizen

Wie Corona Rom - zum Besseren? - verändert

Rom verändert sich, zweifellos. Das fällt jedem sofort in die Augen, der Rom bisher kannte: An jeder Ecke stolpert er auf dem Bürgersteig über abgestellte Elektroroller ("monopattini"). Und es werden mehr Bäume denn je an den Straßen beseitigt, um auf den engen Bürgersteigen Platz für die Außengastronomie zu schaffen. Das reicht jetzt aber auch nicht mehr. Nun werden überall, sobald eine Parklücke enstanden ist, abgeschrankte Plattformen geschaffen (Bild), vermutlich unkontrolliert.

Das bringt in den Quartieren einen spürbaren Verlust an Parkplätzen, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann es zu massiven Konflikten kommt. Auf Dauer wird das aber noch mehr den Autoverkehr aus der Innenstadt verdrängen. Die Elektroroller könnten davon profitieren. Diese sind von der Stadt Rom wegen Corona gekauft worden und sind kostenlos: Die Leute sollen kontaktfrei an der frischen Luft reisen. Jeder kann sie sich nehmen und dann irgendwo abstellen (Ich möchte nicht wissen, wer alles einen Roller in seinen Hausflur stellt). Der Schreiber hat aber noch nicht kapiert, wie man sie zum Rollen bringt. Man könnte ja damit bequem die schweren Wasserflaschen vom Supermarkt nach Hause transportieren. Übrigens ist jedem Touristen zu raten, höchste Vorsicht mit diesen Dingern walten zu lassen und auf keinen Fall bei Regen oder Dämmerung zu fahren. Und keinesfalls zu zweit auf einem Roller fahren! Denn der katastrophale Zustand der Straßen mit zahlreichen Schlaglöchern führt zu übelsten Stürzen. Gnade Gott dem, der in einem römischen Krankenhaus landet.

Was ansonsten Corona betrifft, so haben schon die alten Römer die heutigen Spielregeln beachtet. Die hat man dann aber vergessen. Die Römer hatten nämlich die effizienteste und gesündeste Art der Geschäfte, die es gab: die Bottega. Der Händler verkauft seine Ware an der frischen Luft direkt an der Straße. Der Geschäftseingang ist zugleich die Theke. Das Publikum betritt nicht mehr das Lokal. So machte man das noch im Mittelalter. Schöne Beispiele finden sich in der alten Handelsstraße in Farfa, direkt vor dem Klostereingang. Mehr und mehr beobachtet man auch jetzt in Rom diese Tendenz, indem etwa der Fleischer auf dem Gehweg Stühle aufstellen, damit die Leute nur noch einzeln ins Geschäft kommen.