Römische Notizen

Die Wahrheit über das Christusbild in der Apsis der Lateranbasilika

Rainer Warland hat 1986 seine wichtige Studie über "Das Brustbild Christi" als Supplementband der Römischen Quartalschrift veröffentlicht. Darin geht er ausführlich auf das berühmte, wundertätige Christusbild ein, das sich jahrhundertelang im Mosaikbild der Apsis der Lateranbasilika befand. Das originale Apsismosaik und damit auch das besagte Brustbild Christi könnte ins 4./5. Jahrhundert zurückgehen. Allerdings wurde das frühchristliche Apsisbild im 13. Jahrhundert von Torriti erneuert, wobei das Christusbild aus dem alten Mosaik ins neue übernommen wurde. Dann aber kam 1902 unter Papst Leo XIII. die fatale Idee auf, die Lateranbasilika zu verlängern und dafür die gesamte Apsis samt dem Mosaik um mehrere Meter nach hinten zu versetzen. Dabei geschah die Katastrophe.

Anton de Waal, der Rektor des Campo Santo Teutonico, notiert in der Hauschronik am 30. Juni 1902:

"Haass (Spithöver) erzählte mir, er besitze eine Steinchen für Steinachen ganz genaue Copie des Christusbildes in der Apsis des Lateran, auf den Gerüsten oben angefertigt, bevor der Neubau begann. Der Papst habe ausdrücklich befohlen, besonders mit diesem Theile des Mosaiks vorsichtig zu sein; trotzdem sei es beim Ablösen fallen gelassen worden und in Stücke gebrochen, und das jetezige Christusbild sei nichts weiter als eine Copie".

Das ist nun hochinteressant. Will Joseph Spithöver damit sagen, dass  s e i n e  Kopie statt des zerbrochenen Originals in das Mosaik der neuen Apsis eingesetzt wurde? Existieren die Originalfragmente noch oder hat man sie aus Peinlichkeit verschwinden lassen?