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Römische Notizen

Der Tisch der Armenspeisung Papst Gregors des Großen

Auf dem Monte Celio gibt es neben der Kirche San Gregorio Magno eine Gruppe von drei Kapellen, die den Heiligen Barbara, Andreas und Silvia geweiht sind. Die Barbarakapelle auf der linken Seite wird auch das Triclinium Papst Gregors des Großen (590-604) genannt. In seiner heutigen Form ließ sie im Jahre 1602 der bedeutende Kirchenhistoriker und Kardinal Baronius (1538-1606) auf den Ruinen des Klosters San Andrea errichten, das Gregor an dieser Stelle auf dem Familienbesitz gebaut und in dem er eine Zeit lang als Mönch gelebt hatte.

In der Mitte der Kapelle steht ein großer Marmortisch, an dem der Überlieferung zufolge der Heilige, dessen Skulptur (von Nicolas Cordier, 1567-1612) an der Stirnseite der Kapelle steht, und seine Mutter Silvia, in Erinnerung an das letzte Abendmahl des Herrn jeden Tag zwölf Arme speisten.

Eines Tages soll unter den Gästen ein Engel erschienen sein: Das Fresko an der Wand stellt die Szene dar (von Antonio Viviano, 1560-1620). Infolgedessen änderte sich der Brauch: Von nun an waren es immer dreizehn Arme, die den karitativen Dienst Gregors in Anspruch nahmen. Eine Inschrift auf dem Tisch lautet: Bis senos hic Gregorius pascebat egentes / angelus et decimos tertius accubuit - Hier speiste der heilige Gregor zwölf arme Menschen und ein Engel saß als dreizehnter dabei.

Diese Tradition wurde auch dann noch fortgesetzt, als sich der Sitz der Päpste Jahrhunderte später nicht mehr im Lateran und damit in der Nähe des Monte Celio, sondern im Vatikan befand. Dreizehn arme Pilger wurden dort täglich verpflegt, zunächst in einem Armenhospiz nördlich des alten Petersdoms und ab Ende des 15. Jahrhunderts im Süden in einem Hospiz, das zum Campo Santo Teutonico gehörte.

In der Kapelle Santa Barbara al Celio wurde der gleiche Brauch jedes Jahr am Gründonnerstag beibehalten. Mit dem Ende der päpstlichen Herrschaft in Rom, als die Stadt von den Truppen des Risorgimento eingenommen wurde, hörte der fromme Brauch auf. Armenspeisungen und andere karitative Werke der Päpste im Laufe der Jahrhunderte setzen sich bis in die Gegenwart fort: heutzutage gibt es zahlreiche Initiativen rund um den Petersdom, die vom Apostolischen Almosenier durchgeführt werden.

J.Grohe

PS: Zu Gregor dem Großen siehe E. Dassmann u.a., Roma patristica. Ambrosius, Hieronymus, Augustinus, Gregorius und ihre Statuen auf dem vatikanischen Campo Santo Teutonico, Schnell u. Steiner 2003.