Römische Notizen

Nicht in Beirut, sondern in Rom: Eine verheerende Pulverexplosion mit Toten

Um sieben Uhr morgens am 23. April 1891 kam es in einem Lager an der Porta Portuense im Südosten Roms - 2,3 km vom Vatikan entfernt - zu einer verheerenden Pulverexplosion, bei der auch zahlreiche Kunstdenkmäler zerstört oder beschädigt wurden. Z.B. zerbarst die Holztür von S. Sabina auf dem Aventin in 14 Teile, wie Anton de Waal (1837-1917), der Rektor des Campo Santo Teutonico, berichtete. Der Stipendiat des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft Joseph Schlecht aus Eichstätt, der zweitweise auch Direktor des Instituts war, schildert in einem Brief an Hermann Grauert den Schaden am Campo Santo und in der Stadt und verbindet damit Gedanken über soziale Unruhen unter den Arbeitern:

"Die fürchterliche Katastrophe, die wir hier in diesen Tagen durchgelebt, gibt mir hiezu besondere Veranlassung. Gott sei Dank, sind wir alle unverletzt, einen Herrn abgerechnet, der durch Glassplitter im Gesicht leicht verwundet wurde. Sonst freilich ist der Campo Santo arg mitgenommen und in der Kirche ist keine Scheibe ganz u. im Hause wurden die meist lanzettförmigen Schwerben mit solcher Vehemenz gegen die Wände u. Thüren getrieben, daß sie darin wie Dornen stecken blieben. Der Luftdruck war so stark, daß in der Stadt viele Personen zu Boden geschleudert u. in Albano u. Velletri die Fenster in Stücke gingen. Der Vatikan sieht aus, als hätte er eine Blokade (!) durchgemacht. Der hl. Vater war anfangs sehr angegriffen, empfing aber Tags darauf bereits die z.Z. hier weilenden österreichischen Bischöfe. 

Es besteht eine große Panik in Rom. Nur Wenige sind es, die an einen unglücklichen Zufall glauben. Thatsache ist, daß geraume Zeit vorher die anliegenden Umwohner gewarnt u. zur Flucht gemacht worden waren. Man sieht deshalb mit großer Besorgnis den ersten Maitagen entgegen. Unbegreiflicher Weise hat gestern die Regierung wieder große Scharen von Arbeitern, die am Justizpalast beschäftigt waren, entlassen. Auch ist das Gerücht verbreitet, man habe zu dem Fort am Monte Mario einen Mienengang entdeckt - Thatsache ist, daß von den Behörden große Quantitäten Pulver aus demselben entfernt worden sind. 

Die meisten Bibliotheken haben sehr gelitten - Vittorio Emmanuele, Corsini, Angelica sind immer noch geschlossen, in den Vatikanischen Instituten dagegen kann fortgearbeitet werden" (HAEK GG 146).