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Fluchthelfer O'Flaherty am Campo Santo Teutonico

Derzeit wird eine vatikanische Filmdokumentation über die Zeit der deutschen Besatzung 1943/44 in Rom produziert. Gleichzeitig mit der Öffnung sämtlicher vatikanischer Archive zum 2. MÄrz 2020 - der Archive sowohl des Heiligen Stuhls als auch des Vatikanstaats -  ist bereits das Archiv der Päpstlichen Gendarmeria ausgewertet und publiziert worden. In der Tat besaß der Autor Cesare Catananti bereits vor der allgemeinen Öffnung Zugang zu den verschiedenen vatikanischen Archiven ("l'autore ha avuto accesso in via del tutto eccezionale"; Klappentext).

Das umfangreiche Buch mit dem Titel "Il Vaticano nella tormenta", bietet die Archivangaben leider nur vage nach Ordnern, und sehr spärlich, so dass eine Verifizierung schwerfällt. Auch wird praktisch keine Literatur zitiert. Insofern ist das Buch zwar als erste Veröffentlichung zur vatikanischen Polizei, die natürlich über sämtliche Vorgänge im Vatikanstaat informiert war, hochinteressant und detaillreich, über weite Passagen spannend wie ein Krimi, aber wie so manche Veröffentlichung aus dem vatikanischen Milieu, wissenschaftlich schwer vermittelbar.

Der wichtigste Fluchthelfer Roms war der irische Priester Hugh O'Flaherty, über den 1983 sogar ein Film mit Gregory Peck in der Hauptrolle gedreht wurde. Offenbar gab es damals keine Dreherlaubnis im Vatikan, und so "rächte" man sich damit, dass der Campo Santo Teutonico, obwohl er die Schaltzentrale der Fluchtorganisation war, mit keiner Silbe erwähnt wird. Auch das deutsche Kolleg selbst hielt den von seiner irischen Heimat hoch dekorierten Helden der Menschlichkeit kaum in Erinnerung. Erst die Tagung "Orte der Zuflucht" 2013 zum 125-jährigen Bestehen des Görres-Instituts, angeregt durch Michael Matheus, änderte das. Eine umfangreiche Publikation lenkte den Blick auch auf O'Flaherty. 2016 brachte die irische Botschafterin eine Gedenktafel im deutschen Friedhof an, auf der zu lesen ist, dass O'Flaherty vom Campo Santo Teutonico aus etwa 6000 Menschen geholfen hat. Dabei hat O'Flaherty niemanden bevorzugt, niemanden benachteiligt: Er hat weder nach Nationalität noch nach Religion, weder nach Legitimität noch nach irgendwelchen Dokumenten gefragt. Ihm war es allein wichtig zu helfen. Der damalige Rektor des Campo Santo, Hermann Maria Stoeckle, drückte alle Augen zu, um den "Monsignore" gewähren zu lassen. 

Nun wird auch in dem erwähnten Buch von Catananti das deutsche Kolleg mehrfach erwähnt. O'Flaherty, den man im Kolleg nur als "Monisgnore" bezeichnete, baute zusammen mit Major Sam Derry und Butler John May die Hilfsorganisation auf - im Kolleg nur als "Organisation" bezeichnet -, die in der ganzen Stadt Rom geheime Wohnungen für Flüchtlinge besorgte. In diesem Zusammenhang heißt es: "E pienamente coinvolto è il Collegio Teutonico che, anche in quei frangenti, mantiene attiva la sua funzione di ,clearing room' dell'organizzazione" (S. 232).  

Orte der Zuflucht