Leseempfehlungen

Nationalsozialismus und Kirche: Bischof Lorenz Jaeger von Paderborn

Josef Meyer zu Schlochtern und Johannes W. Vutz aus Paderborn haben im Aschendorff-Verlag einen hervorragenden Studienband über den seinerzeit hoch geehrten Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger (1892-1975) zusammengestellt. Konkreter Anlass war ein Komunalstreit 2015, ob man Jaeger die Paderborner Ehrenbürgerschaft wegen seiner angeblichen Nähe zum Nationalsozialismus aberkennen solle. Jaeger war seit 1941 Bischof an der Pader. Die hoch interessanten, sehr ausführlichen Beiträge von Arnold Otto, Hans-Walter Stork, Joachim Kuropka und anderen gehen die Fragen direkt an:

Hagia Sophia: solche Forschungen sind jetzt kaum mehr möglich

Zu den herausragendsten und beeindruckendsten Forschungsarbeiten über die Hagia Sophia in Istanbul, die nun wieder eine Moschee ist, gehört die Publikation von Alessandra Guiglia Guidobaldi und Claudia Barsanti (und Mitarbeitern) über die Marmorausstattung der Hagia Sophia (2004). Das mit fast 500 Fotografien, historischen Innenansichten und Rekonstruktionen versehene 900-seitige Buch bietet ein vollständiges Inventar der erhaltenen Ausstattungselemente. Die Arbeit hat ihren Wert etwa zum Verständnis des weltweiten Exports vergleichbarer Produkte aus prokonnesischem "Marmor" von den "Marmara"-Inseln in frühbyzantinischer Zeit. Die Hagia Sophia war eben in jeder Hinsicht Vorbild und Standard, ähnlich der Lateranbasilika im Westen. Eine solche Leistung, die eine jahrelange Vertrautheit mit dem Denkmal selbst voraussetzt, ist heute kaum mehr möglich. Umso wertvoller werden die Publikationen jener, die dieses Privileg noch besaßen.

Zum Buch (und anderen Publikationen des PIAC) 

Antonio Bosio und seine Roma Sotterranea

Aus einer Promotion am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie (PIAC) geht die jüngste Publikation von Chiara Cecalupo über den Malteser Antonio Bosio (1575-1629) und die frühesten Sammler christlicher Altertümer hervor. Die Studie gehört zur wachsenden Zahl herausragender Abschlussarbeiten des Instituts und zeigt eine echte, jedem Detail nachspürende Forscherleistung, die zurecht mit einleitenden Worten von den Betreuern Carla Salvetti und Vincenzo Fiocchi Nicolai gewürdigt wird.

Der Diakonat - Geschichte & Theologie

2014 fand an der Universität Lugano eine Tagung über die Geschichte und Theologie des Diakonats statt. Mit der Geschichte befassen sich eigentlich nur die Beiträge von Damiano Spataru (Diakonat bei den Kappadokiern) und Manfred Hauke (Diakonissen). Die Arbeit von Hauke ist wichtig, insofern er alle neuralgischen Punkte der Studie von Martimort Standardwerk "Les diaconesses. Essai historique" (1982) anspricht und eine sehr nützliche Literaturergänzung zu diesem Thema bringt. Die systematischen und liturgischen Beiträge des Buches stammen von Winfried Haunerland, Serafino Lanzetta, Matthias Mühl, Helmut Hoping u.a.

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Der Kampf Jakobs als Paradigma des Kunstschaffens

Früher sagte man - mit Heraklit - der Krieg ist der Vater aller Dinge. Viele schütteln heute den Kopf: Wie kann man nur den Krieg verherrlichen? Aber es geht doch eher darum, dass der Streit um die besseren Argumente, die Auseinandersetzung und "Polemik" - pólemos patèr pánton" - etwas Gutes sind. Die Kunsthistorikerin Yvonne Dohna Schlobitten und der Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards haben das, inspiriert durch einem Aufsatz von Romano Guardini, ins Christliche, Alttestamentliche übersetzt: Der Kampf Jakobs am Jabbok mit Gott ist das Paradigma des künstlerischen Schaffens.

Sible de Blaauw: Rezension "Altar und Kirche"

Sible de Blaauw hat auf HSozKult eine ausführliche Rezension geschrieben, in der er "Altar und Kirche: Prinzipien christlicher Liturgie" genau unter die Lupe nimmt, Gutes lob, Fragwürdiges kritisiert und dabei alles in allem "eine höchst reizvolle Lektüre" gehabt zu haben scheint. 

"Selten bietet das bloße Inhaltsverzeichnis ein so vollständiges Bild des Gegenstandes, der Methodik und der Sicht eines Buches wie in Stefan Heids Altar und Kirche. Es ist ein Kompliment für den durchgearbeiteten Aufbauch und die aussagekräftigen Kapitelteil und Zwischenüberschriften, die diese Arbeit schon auf den ersten Blick kennzeichnen"

Hier die ganze Rezension 

Andreas Weckwerth: Schlüssel zu den westlichen Synoden

Andreas Weckwerth, Ordinarius für Alte Kirchengeschichte in Eichstätt, hat in der Reihe Corpus Christianorum ein immens hilfreiches Handbuch über alle westlichen Synoden bis zum 7. Jahrhundert zusammengestellt. Insgesamt werden von 400 Synoden in Italien, Spanien, Gallien, Britannien und Afrika nach einer historischen Einordnung die Editionen und Übersetzungen sowie Sekundärliteratur angezeigt. Damit ist eine objektive Grundlage für jede weitere Forschung gewonnen.

Clavis Conciliorum

Neu: Russian Journal of Church History

Mit Nr. 1 (2020) ist die neue Russische Zeitschrift für Kirchengeschichte gestartet. Sie wird von der Abteilung Kirchengeschichte der M. V. Lomonosov-Staatsuniversität Moskau herausgegeben und ist weltanschaulich neutral und nicht konfessionell gebunden. Sie nimmt Beiträge zur Kirchengeschichte, Archäologie und Kunstgeschichte auf. Hauptherausgeber ist Prof. Venjamin V. Simonov. Die Zeitschrift erscheint mit 4 Heften pro Jahr. Die online-Ausgabe ist frei zugänglich. 

Russian Journal of Church History

Hedwigs-Kathedrale in Berlin: Ein Appell gegen Zerstörung und Geschichtslosigkeit

Frank Czerner legt in seinem Buch "Sakraldenkmal" ein fulminantes Plädoyer für eine Revision  der Umbaupläne des Innenraums der Hedwigskathedrale vor. Der preisgekrnte Entwurf wird seiner Ansicht nach bei weitem dem komplexen Anspruch, den dieser Kirchenraum stellt, nicht gerecht. Unter historischen, theologischen, liturgischen, denkmalschutzrechtlichen und architektonischen Gesichtspunkten bietet Czerner einen unbedingt in die Debatte einzubeziehenden Beitrag. Hier läuten wirkich alle Glocken: Wer jetzt noch nicht aufwacht, ist schon tot. 

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Enrico Cattaneo über Peter und Paul

Das neue Buch: Pietro e Paulo: La „Roccia“ e „il più Piccolo” degli Apostoli a confronto

Enrico Cattaneo, langjähriger Professor und fruchtbarer Schriftsteller auf dem Gebiet der Patrologie, erweist sich einmal mehr als exzellenter Kenner des neutestamentlichen und apokryphen Schrifttums sowie der Apostolischen Väter (1 Clemens, Irenäus, etc.). Er legt eine profunde Studie vor, in welcher er das historische und theologische Verhältnis der beiden Apostelfürsten Petrus (der „Fels“) und Paulus (der „Junior“) zueinander sowohl im Neuen Testament als auch bei den Apostolischen Vätern des 2. Jahrhunderts untersucht.