Leseempfehlungen

Österreichisch-Ungarisches Bischofslexikon

Der erste opulente Band eines auf vier Teile konzipierten Lexikons aller Bischöfe der Donaumonarchie ist erschienen, herausgegeben von Rupert Klieber unter Mitarbeit von Peter Tusor. Er behandelt die ungarischen Bischöfe von 1804 bis 1918. Das Lexikon war noch durch Erwin Gatz angeregt worden, der daran mitarbeiten wollte, bevor er überraschend verstarb. Insofern orientiert es sich am Bischofslexikon der deutschsprachigen Länder, erweitert aber das Konzept. In sieben Jahren soll das Projekt abgeschlossen sein, das höchsten Erwartungen gerecht zu werden verspricht. 

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Kleine Diözesangeschichte Luxemburgs - Johann Peter Kirsch

Mons. Prof. Dr. Georges Hellinghausen hat eine kompakte Diözesangeschichte von Luxemburg im Aschendorff-Verlag veröffentlicht. Das katholische Herzogtum Luxemburg wurde in seiner Geschichte arg gebeutelt, immer wieder aufgeteilt, bis zum heutigen Kleinstaat, der sich freilich gegenüber dem Vatikanstaat immer noch wie ein Riese fühlen kann. Nicht nur politisch, auch kirchlich war Luxemburg ein Spielball der Mächte. Dass es trotzdem oder gerade deswegen ein eigenes Profil bewahrte, zeigt dieser Band, der mit großer Sachkunde die Geschichte von Napoleon bis heute skizziert. Hoch interessant sind die Schilderungen des ungeheuer vielfältigen, blühenden kirchlichen Lebens und des katastrophalen Zusammenbruchs seit den 1960er Jahren. Hellinghausen bringt sehr anschauliche Beispiele und unzweideutige Zahlen.

Vierter Band der Regesta Pontificum Romanorum

Das gewaltige Werk der Neubearbeitung des "Jaffé", das von Klaus Herbers (Erlangen) im Auftrag der Göttinger Akademie der Wissenschaften verantwortet wird, geht in die Zielgerade. Aktuell ist der vierte Band erschienen, der von 1024 bis 1073 reicht, also Amtshandlungen und Amtsschreiben der Päpste in chronologischer Reihung von Johannes XIX. bis zu Alexander II. am Vorabend der Gregorianischen Reform verzeichnet. Da erfährt man z.B., dass Leo IX. im Juli 1050 "propriis manibus corpora ss. Primi et Feliciani martyrum sine capitibus in altari in ecclesia s. Benedicti in Alpibus collocat" - das war die Reise wert! 

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Schrecken und Trost - Michelangelo und der Campo Santo Teutonico

Andrea Hindrichs (Rom) und Christiane Liermann Traniello (Villa Vigoni), beide Mitglieder des RIGG, haben unter dem Titel "Von der Gegenwart der Ewigkeit" eine Festschrift für Bernd Roeck, Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit in Zürich, veröffentlicht. Autoren sind die Herausgeberinnen, Lutz Klinkhammer, Carsten Kretschmann, Jose Cáceres Mardones, Joseph Imorde, Stefan Heid und Regina Krieger. Die Themen erstrecken sich über vielfältige Themen der römischen Geschichte und Kunstgeschichte.

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Archiv der belgischen Stiftungskirche San Giuliano dei Fiamminghi

Die sehr kleine barocke Titelkirche San Giuliano dei Fiamminghi in der Via del Sudario 40 in Rom führt sich historisch auf das Jahr 1213 - nicht, wie überall aufgrund eines Lesefehlers behauptet 713 - zurück. Die Niederlassung  entstand wohl als flämisches Pilgerhospiz und überdauerte so die Jahrhunderte. Sie wurde Sitz einer Bruderschaft, die unter dem französischen Revolutionsregime aufgelöst wurde. Heute gilt die Kirche als belgische Nationalkirche und untersteht einer Stiftung, deren Rektor seit 1997 P. Hugo Vanermen ist. Der von Johan Ickx und Marco Pizzo inventarisierte Archivbestand reicht vom 16. bis 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf dem 18./19. Jahrhundert (betreffend Verwaltung und Pilger).

Inventario

Vor der Pest ins Kloster - Strategien und Illusionen bei Ansteckungsgefahr

Arnold Esch hat in seinem glänzenden Buch Die Lebenswelt des europäischen Spätmittelalters schon 2014 Erkenntnisse erzählerisch ausgebreitet, die unvermutet aktuell sind. Wie heute Menschen den Papst anrufen, um ihm ihre Sorgen mitzuteilen, und dann mehr oder weniger getröstet werden, so schrieb man im Mittelalter an den Stellvertreter Christi in seinen Anliegen und Streitsachen, und aus diesen Briefen hat Esch ein herrlich anschauliches Bild zusammengestellt. Im Kapitel "Krieg und Pest" liest man:

Rainer Riesner über den "Messias Jesus"

Rainer Riesner, bis 2013 Professor für Neues Testament am Institut für evangelische Theologie der TU Dortmund,  hat als Summe seiner akademischen Lehre den voluminösen Band "Messias Jesus - Seine Geschichte, seine Botschaft und seine Überlieferung" vorgelegt. Der Exeget Riesner ist keiner ideologischen Schule verpflichtet, sondern nähert sich den Quellen mit historischem Interesse an. Mit größter Nüchternheit und Gewissenhaftigkeit schöpft er aus den antiken Texten und archäologischen Denkmälern seine Erkenntnisse und kommt zu dem Ergebnis: "Es ist historisch möglich zu wissen, wer Jesus war und was er wollte" (S. 478).

Rivinius über Giordano Bruno und die Römische Frage

Karl Josef Rivinius, emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der inzwischen ans Erzbistum Köln übergegangenen Hochschule St. Augustin, hat eine gelungene und sehr gut lesbare Studie über Giordano Bruno (1548-1600) im Aschendorff-Verlag veröffentlicht. Der Verlag publiziert seit geraumer Zeit historisch seriöse Darstellungen in einem sehr handlichen Format. Rivinius behandelt die Vita des abtrünnigen Dominikaners, arbeitet dann aber packend die Instrumentalisierung und Zweckentfremdung dieser Gestalt durch die Aufklärung und dann durch das kirchenfeindliche Risorgimento. Aus einem doch eher mittelmäßigen Philosophen und Vielschreibers wird so der Märtyrerheld einer säkular-nationalistischen Einheitsbewegung geformt, die kriegstrunken in den Ersten Weltkrieg marschiert. Rivinius zeichnet dabei erstmals für ein deutsches Publikum detailliert die Propagandaschlacht in Rom selbst anlässlich der Errichtung des Giordano Bruno-Denkmals 1889 auf dem Campo de' Fiori und das Agieren Papst Leos XIII. nach. Rivinius überzeugt durch seine unparteische und doch immer wieder Zeitbezüge herstellende Darstellung.

Neues Heft der Römischen Quartalschrift: 3-4, 2019

Pünktlich im Mai ist das zweite Doppelheft des Jahrgangs 114 (2019) herausgekommen. Es enthält vor allem Beiträge zur Augustinus-Tagung:

  • Anja Bettenworth / Claudia Gronemann: Zwischen Karthago, Rom und Hippo Regius - Augustinus in der nordafrikanischen und der europäischen Tradition
  • Winrich Löhr: Die Confessiones Augustins - ein autobiographisches Projekt in der Spätantike
  • Konrad Vössing: Augustins Priesterweihe in Hippo Regius (391 n .Chr.) - Selbstaussagen, Hagiographie und moderne Deutung
  • Therese Fuhrer: genium Carthaginis - Augustin als Prediger in Karthago
  • Moritz Kuhn: Augustinus als Repräsentant Nordafrikas in der Vita Augustini des Possidius
  • Hugo Brandenburg: Die kaiserliche Basilika San Paolo fuori le mura in Rom. Anmerkungen zu einem kürzlich erschienenen Buch
  • Rudolf Schieffer (+): Ein Papst im Widerstreit: Paschalis II. (+ 21. Januar 1118)

Es folgen Rezensionen von Maik Schmerbauch über Rainer Berndt, Der Papst und das Buch im Spätmittelalter, von Federica Meloni über Matteo Al Kalak, Il riformatore dimenticato Egidio Foscarari und von Florian Geidner über Alessandro Bellino, Il Vaticano e Hitler.

Beim Verlag Herder kann jeder einzelne Beitrag online erworben werden.

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Neue Reihe: Kirchengeschichtliche Quellen und Studien

Prof. Dr. Dr. Jörg Bölling, Ordinarius für Kirchengeschichte und Studiendekan des Instituts für Katholische Theologie an der Stiftung Universität Hildesheim und Beiratsmitglied der Römischen Quartalschrift, hat an der Universität Hildesheim die Reihe Kirchengeschichtliche Quellen und Studien gegründet. Der erste Band ist die Hildesheimer Dissertation des Pfarrers Jürgen Kämpf über "Fronleichnam in Fritzlar". Die im Kern 160-seitige Arbeit, die den weiten Bogen vom 13. bis zum 18. Jahrhundert abarbeitet, ist das Musterbeispiel einer konzisen, quellenbasierten, im Detail sehr anspruchsvollen Kulturstudie, die am Fallbeispiel Fritzlar zugleich Stadtgeschichte, Bruderschaftsgeschichte, Liturgiegeschichte und Reformationsgeschichte ist. Eine Reihe gut ausgewählter Bilder lässt über den Reichtum der noch heute erhaltenen Denkmäler staunen. Die neue Reihe verspricht, hält sie dieses Niveau, ein exzellentes Publikationsorgan zu werden.