Leseempfehlungen

Trient, Luther und die Kirchenväter

Mathias Mütel, 2010 bis 2012 Assistent am RIGG und inzwischen Bildungsverantwortlicher des Bistums Basel, hat 2017 im Schöningh-Verlag seine Dissertation zum Thema "Mit den Kirchenvätern gegen Martin Luther? Die Debatten um Tradition und auctoritas patrum auf dem Konzil von Trient" veröffentlicht. Der prächtig eingebundene Band (mit Lesefähnchen!) in der roten Reihe "Konziliengeschichte", herausgegeben von Peter Bruns und Thomas Prügl, umfasst 357 Seiten. Das Buch steht in der langen Reihe der Trient-Forschungen der Görres-Gesellschaft. Ein langes Kapitel befasst sich etwa mit dem schon von Hubert Jedin am Campo Santo Teutonico erforschten Girolamo Seripando.

Spektakuläre Restauration des Holzkreuzes von Sankt Peter

Der Petersdom ist um ein weiteres Kunstwerk reicher: Ein überlebensgroßer Holz-Kruzifixus (2,15 m.), dessen ursprüngliche, extrem naturalistische Bearbeitung und Farbgestaltung über viele Jahrhunderte unter mehreren Übermalungen verborgen war. 2015-2016 wurde das Kreuz restauriert und inzwischen an der linken Wand der Sakramentskapelle (und damit zumindest für Gläubige zugänglich) aufgehängt. Es stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, von der Hand eines unbekannten Künstlers, und ist damit eines der bedeutendsten Großkreuze überhaupt.

Michael Feldkamp über Reichskirche und Politkatholizismus

Michael Feldkamp (Berlin) hat zwölf Aufsätze zur Kirchengeschichte der frühen Neuzeit und zur Geschichte des politischen Katholizismus in Deutschland zusammengestellt. Sie befassen sich mit der Säkularisierung von Bistümern im Zuge der Reformation - darüber hat Feldkamp in Rom einen faszinierenden Görres-Vortrag gehalten - oder auch in der napoleonischen Ära. Von besonderem Interesse sind die Ausführungen zur Entwicklung des Amtes des Weihbischofs sowie die (aus dem Zeitrahmen fallende) Studie über einen Stasi-Agenten im Vatikan. Es gibt kaum einen Historiker, der so interessante Themen zur neueren Kirchengeschichte anpackt wie Feldkamp. Lesenswert!

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Franz Wieland und der frühchristliche Altar

Judith Schepers hat mit ihrem Buch Streitbare Brüder. Ein parallelbiographischer Zugriff auf Modernismuskontroverse und Antimodernisteneid am Beispiel von Franz und Konstantin Wieland (Schöningh, 2016) ein faszinierendes Buch über zwei Priesterbrüder des Bistums Augsburg vorgelegt, die beide mit großen Hoffnungen begannen, dann aber aufgrund ihrer wissenschaftlichen Publikationen in Konflikt mit dem kirchlichen Lehramt gerieten. Franz Wieland ging nach seiner Kaplanszeit in Schrobenhausen an den Campo Santo Teutonico, um zu promovieren (1897-1900).

Neues Buch über den Campo Santo Teutonico

Erstmals ist eine eigenständige italienische Monographie über den Campo Santo Teutonico erschienen ("Il Camposanto teutonico"), und zwar in dem großen Verlag Pagine. Autoren sind Marco R. Bettoni Pojaghi und Cristina Cumbo. Der Band geht gewissermaßen von außen, aus italienischer Sicht auf diesen Ort zu, der dem italienischen Publikum kaum bekannt ist. Bettoni Pojaghi leitet das Centro Studi Bettoni Pojaghi in Rom, das eine deutsch-italienische Bibliothek - Biblioteca Italo-Tedesca a Villa Torlonia - unterhält. Cristina Cumbo hat am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie studiert.

Die pastorale Bedeutung der Domkapitel

In der Regel rümpfen die Zeitgenossen die Nase, wenn sie vom Domkapitel hören, und halten das für eine überflüssige Einrichtung. Dabei wird die überragende Bedeutung der Dome für die Seelsorge in den Bischofsstädten bei weitem unterschätzt. Es ist ein modernes Vorurteil, nur Pfarrer oder Ordensleute seien Seelsorger, denn über Jahrhunderte hinweg waren gerade die Domherren das Rückgrat der kirchlichen Pastoral, Bildung und Kultur und haben gerade in diesen Bereichen viel investiert. In heutigen Zeiten der Pfarrschließungen sollte man sich daran wieder erinnern. Daher ist es äußerst begrüßenswert, wenn nun ein Buch  über Das Domkapitel Trier im Mittelalter und in der frühen Neuzeit (2018) erschienen ist (hg. von Domprobst Werner Rössel).

Wer wirklich die "Körperwelten" erfand: der toskanische Arzt Antonio Magnani

Prof. Massimiliano Ghilardi (Istituto Nazionale di Studi Romani), umtriebiger Erforscher des barocken Märtyrerkults, präsentiert in seiner Studie unter dem schönen Titel "Il Santo con due piedi sinistri" (LuoghInteriori 2019) eine sensationelle Entdeckung: Die technisch und anatomisch perfekte Rekonstruktion der Märtyrer aus ihren bloßen Knochen mittels einer völlig neuen Methode, der Wachsplastik (heute würde man wohl sagen: Wachsplastifizierung) geht nicht auf von Hagens zurück, sondern auf den toskanischen Chirurgen Antonio Magnani.

Ein Muss-Buch für Politiker und Seelsorger gleichermaßen

Dr. Wolfgang Picken, langjähriger Pfarrer in Bonn-Bad Godesberg, jetzt in Bonn-Zentrum, richtet mit seinem Buch WIR - Die Zivilgesellschaft von morgen einen allarmierenden Appell an all jene, denen die Zukunft der deutschen Gesellschaft am Herzen liegt. Es ist eine packende, zugleich schonungslose Analyse einer vor dem Kollaps stehenden Zivilgesellschaft. Picken kennt die Wirklichkeit aus seiner seelsorglichen Erfahrung. Zugleich schreibt er völlig uneitel von jenen Perspektiven, die ihm wichtig sind und in denen er aufgrund seiner eigenen Erfahrungen eine Möglichkeit sieht, doch noch eine Wende zu schaffen. Alles entscheidend ist der gesellschaftliche Zusammenhalt an der Basis. Das Buch ist unbedingt empfehlenswert.

Die Theatinerkirche in München

Der Kunst- und Architekturhistoriker Fabian Pius Huber hat im Kunstverlag Josef Fink seine reich illustrierte Geschichte der Theatinerkirche publiziert: Mut zu prächtigen Dingen. Die Theatinerkirche in München.  Dieser Bau - ursprünglich die Hofkirche der Wittelsbacher - gehört zu den bedeutendsten Kirchen Münchens und wurde maßgeblich für die Barockarchitektur nördlich der Alpen. Somit ist die Theatinerkirche ein Musterbeispiel der zentralen Bedeutung Roms und römischer Reformtheologie in den katholischen deutschen Landen in der Neuzeit. Huber wertet umfassend die Quellen aus und liefert somit eine erschöpfende und überaus kenntnisreiche Gesamtdarstellung, die weite kulturhistorische Einsichten liefert. 

Die Themen im Mai-Heft der Römischen Quartalschrift

Im Mai erscheint pünktlich das Doppelheft 3-4 des Jahrgangs 113 (2018) der Römischen Quartalschrift mit folgenden Beiträgen:

  • Christian Gnilka: Simon Magus und die römische Petrustradition
  • Klaus Martin Girardet: Kaiser Gratian - letzter Träger von Amt und Titel eines pontifex maximus
  • Christopher Kast: Essen im Konklave
  • Rainer Decker: Bischof Alois Hudal und die Judenrazzia in Rom
  • Maik Schmerbauch, Hubert Jedin - Leiter der "Arierabteilung"
  • Stefan Samerski: Die Popularisierung des Papstes - Pius XII. 

Hinzukommen sieben Buchrezensionen.

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