Römische Notizen

Römische Notizen

In unregelmäßigen Abständen erscheinen hier Notizen zu römischen Ereignissen und Gegenständen, die unser Interesse gefunden haben, auch wenn sie außerhalb unserer Forschungsgebiete liegen.

Die Görres-Eule in der Villa Ludovisi

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25. 04. 2016

Die römische Adelsfamilie Boncompagni-Ludovisi besaß einst den größten und wohl auch schönsten innerstädtischen Park Roms, aus drei Weinbergen zusammengekauft vom Kardinalnepoten Ludovico Ludovisi (1595-1632), bis die Familie fast alles am Ende des 19. Jahrhunderts an die Stadt verkaufen musste, die die einst so herrlichen Grünanlagen zur Glorie der neuen Hauptstadt komplett verbaute. Das ist das heutige Quartiere Ludovisi (Rione XI). Damals wurde frevelhafterweise der Palazzo Ludovisi abgerissen. Hingegen blieb die kleinere Villa erhalten, die dem Kardinal zu repräsentativen Zwecken diente und heute von Prinz und Prinzessin Boncompagni-Ludovisi bewohnt wird.

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Der Held vom Campo Santo Teutonico: Hugh O'Flaherty

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24. 04. 2016

Der einzige wirkliche Held, den der Campo Santo Teutonico je hervorgebracht hat, war ein Ire! Er wohnte am deutschen Kolleg und half den von den Deutschen Verfolgten! In den dramatischen Jahren 1943/44, als die Nazis Rom besetzten, half der irische Priester Hugh O'Flaherty 6.000 Menschen auf der Flucht. Vielen rettete er das Leben. Ein Held ohne Schnörkel und frei von Gier nach Öffentlichkeit. Endlich wird ihm am Sonntag, dem 8. Mai, nach der Hl. Messe am Campo Santo Teutonico in Anwesenheit des irischen Botschafters eine schlichte Gedenktafel an der Außenwand des Kollegs gewidmet. Diese Initiative geht zurück auf die Gesellschaft der Freunde O'Flahertys, die eine sehr informative Facebook-Seite führt. O'Flaherty wohnte seit 1938 am Kolleg (wie übrigens viele andere Nicht-Deutsche, die traditionell im deutschen Kolleg waren) und hat dort auf seinem Zimmer eine konspirative Hilfszentrale aufgebaut. Über sein Wirken am Campo Santo, soweit es sich aus den Akten ermitteln lässt, finden sich alle Informationen bei Matheus / Heid, Orte der Zuflucht und personeller Netzwerke (Herder 2015). Die Gedenktafel wird am Eingang zum Atrium über der Gedenkplatte für den nicht weniger bedeutenden Hubert Jedin angebracht. Der Schlesier Jedin war selber Verfolgter, weil "Halbjude". Jedin und O'Flaherty kannten und schätzten sich. Sie sahen sich ja jeden Tag beim Mittagessen.

   

Papst Franziskus und 12 Flüchtlinge nach Rom

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22. 04. 2016

altDie großartige Geste von Franziskus in dem von ihm so apostrophierten "neuen Krieg", 12 muslimische Flüchtlinge, die die notwendigen Dokumente aufweisen konnten, von Lesbos nach Italien zu bringen, lässt die Erinnerung an Pius XII. wach werden, der Tausenden von Flüchtlingen im Vatikan und in Castelgandolfo Obdach geboten hat und dafür während und nach dem Krieg hochgeachtet war, der heute aber wegen seines "Schweigens" im totalitärsten und brutalsten Krieg der Moderne mit kirchlicher und medialer Verachtung gestraft wird. Es ist zu erwarten, dass Franziskus wesentlich mehr Verständnis für seinen einzigartigen Vorgänger aufbringen wird, als manche vermuten. Michael Hesemann hielt über ihn am 22. April einen bemerkenswerten Vortrag am Campo Santo Teutonico auf Einladung der Münchener Verbindung Trifels, der Pius XII. angehörte (siehe Hesemann: Pius XII. - der Papst, der Hitler trotzte).

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Rabattaktion der Herder-Bücherstube in Rom

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13. 04. 2016


Nachdem die traditionsreiche Herder-Buchhandlung am Montecitorio vor einigen Jahren geschlossen wurde, begeht nun die kleine Herder-Bücherstube am Petersplatz (Piazza Pio XII, 4) ihr zweijähriges Bestehen. Aus diesem Anlass läuft bis zum 1. Mai eine Rabattaktion. Es lohnt sich also vorbeizuschauen. Die Herder-Bücherstube vertreibt auch jene Bücher, die mit dem Campo Santo Teutonico zu tun haben. Hierfür gibt es ein Informationsblatt.

   

Was ist eigentlich neu seit Franziskus?

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13. 04. 2016

altInzwischen ist der erste Trubel vorbei, Normalität hat sich eingestellt, Rom ist wieder einmal nicht an einem Tag erbaut worden. Papst Franziskus geht ins vierte Jahr. Berge von Büchern häufen sich, um dem argentinischen Jesuiten auf die Spur zu kommen. Eine Bilanz zugleich aus der Nähe wie aus der Distanz des Wissenschaftlers zieht Prof. Johannes Grohe in einem Interview bei Radio Vatikan, das Sie hier nachlesen und nachhören können.

   

Affreschi salvati: Römische Katakomben der Heiligen Marcellino e Pietro erstrahlen in neuem Glanz

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10. 04. 2016

Von Benedikt Lerbs

Definitiv besuchenswert sind die an der Via Casilina gelegenen Kata­kom­ben der Heiligen Marcellino e Pietro, die sich nach umfangreichen Restau­ra­tionsarbeiten im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Glanz präsen­tieren. Ziel des 2012 gestarteten Projektes Affreschi salvati, das unter der Schirrm­herrschaft der Foundation Heydar Aliyev in Zusammenarbeit mit der Pontificia Commissione di Archeologia Sacra durchgeführt wurde, war es, Verwitterungsprozessen zum Opfer gefallene spätantike Fresken w­ie­der sichtbar zu machen. Diese galt es ganz im Sinne des Projekttitels von einer schwarzen Patina zu "befreien", wobei modernste Laser­verfahren erfolgreich zum Einsatz kamen.

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Die Barmherzigkeit der Beichte an St. Peter

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03. 04. 2016

Einen schönen Beitrag über die Beichtväter von St. Peter in der "Tagespost" vom 26. März 2016 stammt von Ulrich Nersinger. Er wartet mit vielen interessanten Details auf. Bekanntlich hören die Kanoniker von St. Peter nicht selber Beichte; sie haben genug Geld, um damit Ordensleute zu betrauen. Die Aufgabe des Beichthörens in allen gängigen Sprachen ist den schwarzen Franziskanern (Konventualen) anvertraut. Der aus dem Rheinland stammende Pater Bernhard Johannes Schulte ist seit einigen Jahren für die deutschsprachigen Pönitenten zuständig. Im Heiligen Jahr ist natürlich die Beichte besonders wichtig, um einen Ablass zu gewinnen. Die Beichtstühle befinden sich im rechten Seitenschiff von St. Peter. An jedem befindet sich ein Schild mit den Sprachen, in denen ein Beichtvater die Beichte entgegennimmt. Jeder Pater hat seinen festen Beichtstuhl und seine festen Beichtzeiten. Der Beichtstuhl von Pater Bernhard ist just jener, an dem Papst Franziskus medienwirksam beichtet (allerdings nicht bei ihm, sondern beim Prior). Der Normalsterbliche genießt natürlich mehr Privatsphäre als der Papst sie sich gönnt.

   

Ein Besuch im Quirinal lohnt

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17. 03. 2016

Die Päpste wussten einmal zu wohnen: Das erfährt man bei einem Besuch des Sommerpalastes der Päpste, der auf der kühlen Höhe des Quirinals liegt. Die italienischen Könige und heute die Präsidenten verstanden das. Sie schätzten die Kultur des Wohnens und Residierens, und das war auch der Grund, weshalb sie sich im Zuge des italienischen Risorgimento 1870 einfach den Palast nahmen. Seit kurzem werden für Interessierte täglich kompetente kunsthistorische Führungen durch den Palast angeboten, die von Studenten der römischen Universität La Sapienza durchgeführt werden. Eine online-Anmeldung ist erforderlich. Man muss 1/2 Stunde vor Führungsbeginn am Haupteingang des Quirinals sein (die halbe Stunde ist aber s e h r elastisch aufzufassen). Die Kosten sind lächerlich: pro Person 3,50 Euro (ohne Gewähr).

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Der Segen des Heiligen Vaters ruht auf Görres

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Da sich die Generalaudienzen des Papstes im Heiligen Jahr zu einem Dauerphänomen gestalten - inzwischen mittwochs, donnerstags und samstags - darf einmal daran erinnert werden, dass sein Segen - zumindest wenn er in der Audienzhalle ist - immer auch ein klein wenig auf das Görres-Institut fällt, dessen Räume sich nur wenige Meter hinter dem großen ovalen Fenster befinden. Dazwischen liegt nur die alte Via Triumphalis, heute eine schmale, hässliche Gasse, meist von den Rauchern für eine Zigarettenpause während der endlosen Wartezeit vor der ersehnten Audienz genutzt. Die Audienzhalle war ursprünglich vom Architekten Nervi dreimal so groß geplant. Sie sollte bis zum Petersdom reichen und ihr sollte der Campo Santo Teutonico zum Opfer fallen.

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Das Archiv der Dombauhütte von St. Peter

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17. 03. 2016

Neben dem Kapitelsarchiv gehört zweifellos das Archiv der Dombauhütte (Fabbrica) von St. Peter zu den wissenschaftlich bedeutendsten Einrichtungen im Vatikan. Ein Studientag des Jahres 2011 über das Archiv der Fabbrica liegt nun im Buchform vor: L'Archivio della Fabbrica di San Pietro come fonte per la storia di Roma (2015). Der erste Beitrag von Assunta di Sante handelt über das Archiv selbst, seine Geschichte und Hauptbestände (Fondi). Es folgt ein Beitrag von Renata Sabene über die Arbeit der Dombauhütte, ein Beitrag von Ilaria Delsere über den Architekten Antonio Valeri, ein Beitrag von Nicoletta Marconi über die Fabbrica im Kontext der römischen Bautätigkeit vom 17. bis zum 19. Jh. Natürlich darf auch Michelangelo nicht fehlen (Federico Bellini). Von Pietro Zander stammt ein Beitrag über das kurzlebige "Museo Petriano" (1925 eingeweiht, 1966 abgerissen!), das sich neben dem Campo Santo erhob, wo heute die gähnende Leere des Parkplatzes ist. Der von Gaetano Sabatini und Simona Turriziani herausgegebene Band bietet zahlreiche erstveröffentlichte Abbildungen. Infolge des Risorgimento verlor die Fabbrica ihren städtischen Immobilienbesitz, so dass auch ein erheblicher Archivbestand verloren ging. Er befindet sich seither im Archivio di Stato di Roma (S. 34 Anm. 78).

   

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