Römische Notizen

2. Jahrestag der Rücktrittserklärung Papst Benedikts XVI.

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Ein Beitrag von Karl August Neuhausen

Am Rosenmontag, dem 11. Februar 2013, kündigte Papst Benedikt XVI. in einer spektakulären lateinischen Rede an die versammelten Kardinäle seinen Rücktritt vom Papstamt an. Manche wollten in dieser Rede schlechtes Latein gefunden haben, andere stützten sich für ihre Interpretationen auf falsche deutsche Übersetzungen. Daher sind die folgenden Ausführungen des Bonner Altphilologen und Neolatinisten Karl August Neuhausen höchst bedeutsam, zumal Benedikt XVI. selbst in mehreren lateinischen Briefen dem Autor geantwortet hat. Wir bieten hier alle Veröffentlichungen zur Debatte. (S.Heid)

Hier der Beitrag von Karl August Neuhausen:

Die lateinisch abgefasste Rücktrittserklärung Papst Benedikts XVI. vor genau zwei Jahren (am 11. Februar 2013) - ein singuläres Dokument in der fast 2000jährigen Geschichte der römsch-katholischen Kirche - wurde am selben Tag zusammen mit sieben nationalsprachlichen Übersetzungen (darunter auch einer deutschen Version) vom Vatikan publiziert. Die deutsche Übersetzung des Originaltextes der "renuntiatio" Benedikts haben damals alle Medien sofort übernommen und unverändert verbreitet, ohne dabei anzumerken, dass sie einige sprachliche und zudem sinnwidrige Fehler enthält. Dagegen wurde umgekehrt die lateinische Rede Benedikts in der Öffentlichkeit teilweise heftig kritisiert, weil sie viele Verstöße gegen die Regeln der normativen lateinischen Grammatik aufweise. In Wirklichkeit jedoch handelt es sich bei diesen Unstimmigkeiten lediglich um drei geringfügige typographische Versehen der Druckfassung der "declaratio" Benedikts, von denen zwei bereits am Abend desselben Tages vom Vatikan offiziell berichtigt worden sind.

Als Klassischer Philologe und speziell als Erforscher des vom Renaissancehumanismus bis zur Gegenwart reichenden riesigen Gesamtgebietes der neulateinischen Sprache und Literatur habe ich den kurzen - nur aus acht Sätzen bestehenden - lateinischen Text Benedikts systematisch untersucht und bin zu dem Ergebnis gelangt, dass Benedikt dabei generell ganz in der Tradition sowohl der paganen antiken als auch der gesamten christlichen lateinischen Literatur steht und zugleich in kreativer Weise ein Musterbeispiel eines kunstvollen modernen lateinischen Prosatextes bietet; Benedikts Argumentation, in welcher er das klassische Beweisverfahren des Syllogismus anwendet, ist so schlüssig und überzeugend, dass jeder, der sich die Mühe macht, seinen Gedankengang gründlich zu studieren, versteht, dass er tatsächlich verpflichtet war, sein päpstliches Amt niederzulegen.

Da sich die Verzichtserklärung Papst Benedikts XVI. nunmehr zum zweiten Male jährt, begrüße ich es sehr, dass meine drei in den letzten beiden Jahren (2013 und 2014) erschienenen philologischen Spezialuntersuchungen zum lateinischen 'Jahrhunderttext' des emeritierten Summus Pontifex hier als Einheit und damit besonders wirkungsvoll nochmals der Öffentlichkeit vorgelegt werden; die programmatischen Überschriften der drei Beiträge lauten

(1) "Infolge des vorgerückten Alters" und andere gravierende Fehler: Philologische Kritik der offiziellen deutschen Übersetzung der lateinisch abgefassten Rücktrittserklärung Papst Benedikts XVI., in: Pro Lingua Latina 14 (2013), S. 18-23.

(2) Nochmals zum Text und zur Rezeption der lateinischen Rücktrittsrklärung Papst Benedikts XVI: Eine Bilanz aus neulateinischer Sicht (mit einem lateinischen Schreiben des Vatikans), in: Neulateinisches Jahrbuch 15 (2013), S. 311-344.

(3) Epilog zur philologischen Interpretation der lateinischen Rücktrittserklärung Papst Benedikts XVI. (mit einem neuen lateinischen Schreiben des Vatikans), in: Neulateinisches Jahrbuch 16 (2014), S. 373-379.

Aus aktuellem Anlass sind hinzugefügt mein lateinischer Brief an Benedikt vom 5. Januar und sein lateinisches Antwortschreiben vom 19. Januar 2015; damit ist auch meine bisherige lateinische Korrespondenz mit dem emeritierten Papst abgeschlossen.

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