Römische Notizen

Als die Päpste noch Vögel jagten

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alt alt Emile Zola schreibt in sein römisches Tagebuch am 29. Nov. 1894 über den gütigen Papst Leo XIII.: "Der roccolo. Ich glaube das bedeutet der kleine Wald. Die Vogeljagd a roccolo, zuhinterst am Rand eines Wäldchens. Lange rechteckige Netze werden längs den Rändern einer Alle [in den Vatikanischen Gärten] aufgespannt und auf beiden Endseiten geschlossen. Man placiert die Käfige mit den Lockpfeifen in die Mitte der Allee. Die Vögel kommen angeflogen, und lassen sich nah an den Käfigen nieder. Sobald es dann ausreichend viele sind, macht man ein abruptes Geräusch, man klatscht beispielsweise in die Hände (der Papst), worauf die erschreckten Vögel auffligen und sich mit den Flügeln in den großen Maschen der Netze verfangen. Manchmal verfangen sie sich sogar schon beim Anfliegen. Die Netze also bleiben unbewegt, es sind die Vögel, die sich, von den Lockpfeifen angezogen, in Gefahr bringen und sich dann mit den Flügeln verfangen. Der Papst (Leo XIII.) isst sie anschließend. Er liebt sie sehr. Feigenfresser, Rotkehlchen, Grasmücken, Ortolane" (Meine Reise nach Rom, 2014, S. 203f.). Dieses Buch bietet einen einzigartigen Einblick in die Stadt Rom samt Vatikan im dramatischen Umbruch nach dem Risorgimento (1870).