Römische Notizen

Als Päpste schon bei den Maltesern eingriffen

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Der Besucher der Vatikanischen Museen begegnet an zwei Stellen Erinnerungen an den Malteserorden: im Kartensaal in der Darstellung der seit 1530 dank Karl V. als Konvent dienende Insel und in der so genannten Stanza della Signatura. Beim ersteren Fresko ist oberhalb der Insel ein, in einem roten Gewand mit einem acht-spitzigen, weißen Kreuz gehüllten, Engel zu sehen mit einem Band, der an die Befreiung Maltas 1565 erinnert. Beim Fresko der Signatur handelt es sich um einen, dem Betrachter den Rücken gebender, stehender Malteserritter am Rande des Bildes.

Beide Fresken erinnern - hinsichtlich ihrer Entstehungszeit, nicht in ihrem Inhalt - an zwei Päpste, die stark in den Orden - trotz dessen Souveränität - eingegriffen haben: Gregor XIII. (1572-1585), der den Meister Jean L’Evesque de La Cassière zum Rücktritt bewegte und danach die Wahl dessen Nachfolgers im Amte Hughes de Verdalle (später sogar Kardinal) maßgeblich beeinflusste; Alexander VI. (1492-1503), der die Würden und Ämter des Ordens zum Leidwesen der Ordensregierung freimütig an Getreue verlieh, und das obwohl er zuvor Jahre lang das Amt des Kardinalpatrons, des Verbindungsmannes und Beschützers des Ordens, bekleidet hatte.

Das waren jedoch keine Einzelfälle im Laufe einer jahrhundertelangen, komplizierten Beziehungsgeschichte. Gregor wie auch der „imperiale“ Alexander standen in einer Linie der - teils gelungenen, teils gescheiterten - Interventionen des Apostolischen Stuhls in der Ordensregierung, so etwa bei dem „barmherzigen“ Clemens VII. (der einzige Papst, der zuvor als Prior Capuas ein hohes Amt im Johanniterorden bekleidet hatte), bei dem „armen“ Paul II. und letztlich auch bei dem „unschuldigen“ Innozenz VI.

In anderen Worten: Was derzeit in Rom geschieht, ist für den Historiker ein Dejavue.

Der Malteser-Orden ist ein souveränes Völkerrechssubjekt und gehört zu den größten, weltweit tätigen Hilfsorganisationen der Katholischen Kirche.