Römische Notizen

Als Päpste noch die Bettler verbannten

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Das wunderschöne Kloster S. Sisto Vecchio bei den Caracallathermen an der Via Appia, wo einst der heilige Dominikus gewohnt und das erste Dominikanerinnenkloster gegründet hat, war berüchtigt für die ungesunde Lage in sumpfigem Gebiet (das Bodenniveau lag damals 4 Meter tiefer). Daher wurde es nach dem Konzil von Trient aufgegeben. Die Nonnen zogen 1575 in ein anderes Kloster. 1581 hielt Papst Gregor XIII. - es ist jener, der den gregorianischen Kalender einführte - in der Klosterkirche noch eine Fastenpredigt und fragte sich dabei wohl, was man mit der Anlage Nützliches machen könnte. Kurzerhand ließ er, um "die meist von Bettlern verursachten Störungen des Gottesdienstes in den Kirchen (Roms) zu vermeiden, diese sowohl, wie auch arbeitsscheues Gesindel in den verlassenen Klosterräumlichkeiten von S. Sisto konfinieren.

Das Gebäude wurde mit Betten und sonstigem Mobiliar versehen, so daß 800 Menschen unter Aufsicht der Congregazione della Ss. Trinità dort hausen konnten. Diese Einrichtung bestand jedoch nicht lange. Die Eingeschlossenen wurden übellaunig wegen der verlorenen Freiheit und ängstlich wegen der drohenden Malaria, so dass sie bald die Erlaubnis erhielten, die Unterkunft wieder zu verlassen" (Buchowiecki, Handbuch der Kirchen Roms 3, 911f. nach einem Zeitzeugen). Heute ist die Anlage wieder ein Dominikanerinnenkloster. Malaria gibt es dort längst nicht mehr. Ein Besuch lohnt! Empfehlenswert ist auch direkt gegenüber das idyllische Ristorante Orazio, besonders im Sommer.