Römische Notizen

Als Päpste noch das Rauchen förderten

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Wie an der Fahne erkennbar, hat sich der italienische Staat das klassizistisch wirkende Gebäude - wohl 1877 - angeeignet Wie an der Fahne erkennbar, hat sich der italienische Staat das klassizistisch wirkende Gebäude - wohl 1877 - angeeignet Der im Jahr 2000 von Johannes Paul II. selig gesprochene Papst Pius IX. (+ 1878) weihte zwar nicht höchstselbst die 1863 im heute touristisch angesagten Stadtteil Trastevere errichtet päpstliche Zigarrenfabrik ein, aber er besuchte sie immerhin einige Jahre später. Diese Initiative sollte der Arbeitslosigkeit in Rom entgegenwirken und zeigen, dass sich auch im Kirchenstaat moderne Manufakturen etablieren. Der ursprünglich erheblich längere, aber noch heute repräsentative Bau wurde bei der berühmten Bruderschaftskirche S. Maria dell'orto errichtet. Dabei wurde ein ganzes Quartier neu gestaltet, das sich um die "Piazza Mastai" legt. Pius IX. hieß mit seinem Aristokratennamen Giovanni Mastai-Ferretti. Zur damaligen Zeit rauchten praktisch alle Männer, am meisten stänkerten die Kleriker. Es lag also nichts näher, als für deren Lieblingsgenussmittel eine Fabrik zu bauen, die garantiert auf breite Zustimmung stoßen würde.

Auf der Fassade der Fabrik steht noch heute in stolzen Lettern:

PIVS IX PM

OFFICINAM NICOTIANIS FOLIIS ELABORANDIS

A SOLO EXTRVXIT ANNO MDCCCLXIII

Die Heldentat des großen Pius wurde im "Triplice omaggio alla santità di Papa Pio IX nel suo giubileo episcopale offerto dalle tre romane Accademie (Roma 1877) 28-29 gebührend gepriesen (Bibliothek des Campo Santo: Sign. 10 V 145).

Zu Pius IX. siehe jetzt das äußerst empfehlenswerte Büchlein von Christian Schaller, Papst Pius IX. begegnen (2016).