Römische Notizen

Papst Franziskus und 12 Flüchtlinge nach Rom

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altDie großartige Geste von Franziskus in dem von ihm so apostrophierten "neuen Krieg", 12 muslimische Flüchtlinge, die die notwendigen Dokumente aufweisen konnten, von Lesbos nach Italien zu bringen, lässt die Erinnerung an Pius XII. wach werden, der Tausenden von Flüchtlingen im Vatikan und in Castelgandolfo Obdach geboten hat und dafür während und nach dem Krieg hochgeachtet war, der heute aber wegen seines "Schweigens" im totalitärsten und brutalsten Krieg der Moderne mit kirchlicher und medialer Verachtung gestraft wird. Es ist zu erwarten, dass Franziskus wesentlich mehr Verständnis für seinen einzigartigen Vorgänger aufbringen wird, als manche vermuten. Michael Hesemann hielt über ihn am 22. April einen bemerkenswerten Vortrag am Campo Santo Teutonico auf Einladung der Münchener Verbindung Trifels, der Pius XII. angehörte (siehe Hesemann: Pius XII. - der Papst, der Hitler trotzte).

Das RIGG hat sich jüngst mehrfach intensiv mit entsprechenden Themen befasst. Eine Tagung zur Rassendebatte zwischen den Weltkriegen brachte etwa den erschreckenden Antijudaismus höchster Kreise im Jesuitenorden zutage (Philippe Chenaux, in: Römische Quartalschrift 110, 2015, im Druck), während Pius XI. selbst strikter Gegner jedes Antijudaismus und Antisemitimus war (Gabriele Rigano, in: ebd. 109, 2014, S. 281-308) (Hier Testexemplare bestellen!). Pius XII. gehörte mit seinem Mentor Pius XI. zu den entschiedensten Gegnern jedes Antijudaismus und Antisemitismus.

Zu den Hunderten von Flüchtlingen und Schutzsuchenden, die Pius XII. 1943/44 allein in den engen Grenzen des Vatikanterritoriums aufnahm, siehe M. Matheus, St. Heid (Hg.), Orte der Zuflucht und personeller Netzwerke (Herder 2015).