Römische Notizen

Als Päpste Mauern bauten

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vorne in der Mitte der ältere Eingang der Vatikanmuseen in der Bastionenmauer vorne in der Mitte der ältere Eingang der Vatikanmuseen in der Bastionenmauer Ein schon lange fertiger Beitrag, der nun aus aktuellem Anlass vorgezogen wird, lag in meiner Schublade: die Mauern der Päpste. Der Vatikan gehört zum Club jener Staaten, die ihr Staatsgebiet komplett mit einer Mauer bzw. durch Gebäude abriegeln (sieht man einmal vom Sonderstatus des Petersplatzes ab). Das entspricht den Lateranverträgen von 1929. Auf Google-Earth kann man die Vatikanmauer virtuell umrunden. Es handelt sich bis heute durchaus um wehrfähige Mauern, nicht um bloße Dekoration. Während die funktionslose Chinesische Mauer oder der römische Limes zum Weltkulturerbe erklärt wurden, ist das für die vatikanische Mauer nicht der Fall. Sie ist so unüberwindlich, dass sich sogar Tom Cruise für "Mission Impossible 3" spektakulär in Szene setzen wollte, um gerade diese Mauer zu überwinden. Da der Vatikan allerdings keine Dreherlaubnis gab, musste sich der Schauspieler mit Außenaufnahmen zufrieden geben und am Ende eine ganz andere Mauer irgendwo in Italien übersteigen.

Auch jeder Tourist, der Rom besucht, muss, wenn er in den Vatikan will, zwei Mauern überwinden: Da ist zunächst die aurelianische Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert n.Chr., die vom Kaiser Aurelian gebaut wurde und die auch während aller Jahrhunderte bis 1870 in Takt blieb. In diesen 1000 Jahren war es die Mauer der Päpste schlechthin, und immer wieder mussten sie tief in die Tasche greifen, um sie instand zu halten. Pius IX. ließ die Mauer 1870 sogar symbolisch verteidigen, aber mit ihrer Einnahme durch die italienischen Revolutionäre fiel sie, so dass die römische Stadtmauer heute an vielen Stellen zugunsten von Straßen und Plätzen durchlöchert ist. Dennoch ist sie bis heute einer der imponierendsten Mauern Europas, und an vielen Stellen hängt daran sogar noch das päpstliche Wappen.

der Adlerbrunnen, das Klösterchen Benedikts XVI. und der Ansatz der leoninischen Mauer der Adlerbrunnen, das Klösterchen Benedikts XVI. und der Ansatz der leoninischen Mauer Aber gehen wir noch einmal in die Geschichte zurück: Weil den Päpsten die Aurelianische Mauer gegen die Feinde nicht genügte, bauten sie nun auch selbst neue Mauern, nämlich die leoninische Mauer, die Papst Leo IV. in der Mitte des 9. Jahrhunderts um den Vatikan herum legen ließ. Diese Mauer wurde erforderlich, weil Sarazenen immer wieder von Nordfafrika nach Italien übersetzten und das Land bis nach Assisi hinauf plündernd durchzogen. Auch die ungeschützten Außenposten Roms, also die Peters- und Paulusbasilika, wurden von den Sarazenen verheert und mussten daher befestigt werden.

Wer heute durch die vatikanischen Gärten spaziert, begegnet diesen ältesten, mittelalterlichen Mauern des Vatikans auf Schritt und Tritt; sie sind nur noch abschnittweise erhalten. Auch diese Mauern wurden, als sie noch in Funktion waren, immer instand gehalten und im Laufe der Zeit erheblich erhöht. Der massivste Teil steht an der Lourdesgrotte. Benedikt XVI. wohnt beim Adlerbrunnen genau da, wo der älteste und am besten erkennbare Abschnitt der ursprünglichen Leomauer steht.

Der berühmte italienische Architekt Leon Battista Alberti hat dann im 15. Jahrhundert, nachdem die Kanonen erfunden waren, das Bastionensystem entwickelt. Sie können durch Kanonen kaum beschädigt und vor allem nicht unterminiert werden. Natürlich haben auch die Päpste sofort Bastionen an wichtigen Stellen der Aurelianischen Mauer und besonders rund um den Vatikan angelegt, um Rom verteidigen zu können. Am Vatikan wurden die Bastionen außen um die leoninische Mauer herumgelegt. Diese äußeren Bastionenmauern sind jene, die jeder Besucher der Vatikanischen Museen umrunden muss, bis er zum Eingang kommt. Diese Bastionenmauern waren es auch, die Tom Cruise überwinden wollte.

Die gewaltigen Mauern der Bastionen definieren heute die Staatsgrenze des Vatikans. Nur sehr wenige dürfen hier durch und erhalten eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis. Staatsbürger gibt es sowieso nur eine Handvoll.

S.Heid