Prof. Dr. Rotraud Wisskirchen verstorben

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Ein persönlicher Nachruf

Am Mittwoch, dem 1. August, verstarb Frau Prof. Dr. Rotraud Wisskirchen nach schwerer Erkrankung, nachdem sie erst im Januar als Honorarprofessorin an der kath.-theol. Fakultät der Universität Bochum verabschiedet worden war. Es ist ein sehr herber Verlust für die zahlreichen Freunde, Kollegen und natürlich die große Familie. Ich persönlich lernte sie in den 80er Jahren als Student in Bonn kennen, als sie als Seniorstudentin und ich als Theologe bei Prof. Josef Engemann die Vorlesungen in Christlicher Archäologie besuchte. Bald war ich wohl so etwas wie ein Hausfreund in der Burbacher Straße in Bonn-Kessenich. Eine Woche lang musste ich sogar mal das Haus hüten und mehr noch den großen Hund, der es geschafft hat, mich ziemlich auf Trapp zu halten.

Die gesamte Familie mit Ehemann und Töchtern gehört eigentlich zur Juristenzunft, mit sehr großem Erfolg. Aber das archäologische Hobby der Mutter hat doch damals alle infiziert. Frau Wisskirchen kam mit Fahrrad und Hund (und einem Stück leckeren Kuchens!) täglich ans Dölger-Institut, das damals noch in der Lenné-Straße war, um ihre Dissertation über die Ikonographie von S. Prassede fertigzustellen (1989). Zur gleichen Zeit saß ich dort an meiner Promotion (1990). Im Garten ihres gastlichen Hauses kam häufig der sehr lebendige Kreis der Engemann-Schülerinnen und -Schüler zusammen. Viele Initiativen wurden dort ausgeheckt, nicht zuletzt wäre der XII. Internationale Kongress für Christliche Archäologie 1991 in Bonn nie ohne dieses Engagement zustande gekommen. Der Kongress fiel zusammen mit dem 65. Geburtstag von Engemann, für dessen Festschrift ("Tesserae") wir einen gemeinsamen Aufsatz beigesteuert haben. Das waren sehr intensive und unvergessliche Jahre in Bonn.

Später hat Frau Wisskirchen ihr archäologisches Engagement immer weiter intensiviert und wurde 2000 Honorarprofessorin in Bochum. Sie war zusammen mit vielen anderen stark engagiert für den Erhalt der Christlichen Archäologie in Bonn. Auch das Wohl des Dölger-Instituts blieb ihr ein stetes Anliegen. Mit ihrem nüchternen, juristischen Sachverstand war sie stets zur Stelle. Meine Wege führten schließlich nach Rom, so dass der Kontakt notgedrungen dünner wurde.

Ein Letztes: Viele, viele (Streit-)Gespräche im Hause Wisskirchen gingen auch über den Glauben und die Konfessionen. Sie selber stammte aus der tieffrommen Glaubensrichtung von Bethel. Der studienbedingte Weg ins katholische Rheinland war für sie zweifellos eine starke, lebenslange Herausforderung. Hier half ihr völlig aufrichtiger, in manchem unbeugsamer, aber immer um das Wohl der anderen besorgter Charakter, mit dem sie alle Hindernisse überwand und unendlich viel Gutes bewirkte. Nun, am Ende ihres Lebens, erfüllt sich die Predigt des Augustinus: Deo gratias - sursum corda!

S.Heid