Ehrenring der Görres-Gesellschaft für Paul Kirchhof

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Paul Kirchhof Paul Kirchhof Der ehemalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof, der laut Wikipedia im Schnitt jedes Jahr 1-2 Preise verliehen bekommt, nahm aus den Händen des Präsidenten der Görres-Gesellschaft, Universitätsrektor Prof. Dr. Bernd Engler, auf deren Generalversammlung in Mainz den Ehrenring der Görres-Gesellschaft und damit deren höchste Auszeichnung entgegen. Kirchhof betonte er in seiner Dankesrede stark, dass er eigentlich für die Gesellschaft wenig getan habe und ihn diese Auszeichnung außerordentlich freue. Die Annahme der Ehrung war dann aber auch umgekehrt eine vom Publikum, dem die Vergangenheit ja noch wohl bekannt war, dankbar aufgenommene Geste der Anerkennung der Bedeutung und Vitalität der Görres-Gesellschaft, der es an herausragenden Persönlichkeiten keineswegs mangelt.

Festakt in P1 des Philosophicum der Mainzer Uni Festakt in P1 des Philosophicum der Mainzer Uni Der "Professor aus Heidelberg" (G. Schröder) hielt in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, darunter Bischof Peter Kohlgraf von Mainz, freihändig, aber zweifellos wohl vorbereitet, eine fulminante Dankesrede, die fast schon ein eigener Vortrag war. Ausgehend vom Ehering ging er über den Ehrenring gleichsam zum Ring der Wissenschaften über. Der Grundtenor seiner Rede war seine offensichtlich tiefe Besorgnung um die Aushöhlung der Ehe in den jüngsten politischen Entscheidungen. Die leibliche Elternschaft sei auch nach der Verfassung ewig und unkündbar. Jeder Hörer wusste, was er meinte. Kirchhof betonte: Wir leben in keinem neuen Kulturkampf, aber der Wertewandel werde heute von den Leitmedien definiert. Eine jahrhundertealte, von den Großeltern ererbte Kulturerrungenschaft, jene der Ehe, stehe in Frage. Demgegenüber sei die Überzeugung, wonach der Mensch das Ebenbild Gottes sei, der radikalste Freiheitssatz der Menschheitsgeschichte. Dieser habe in Deutschland seine größte historische Erfahrung in der Verfassung gefunden.

Öffentlichkeitsarbeit Öffentlichkeitsarbeit Kirchhof kam nun auf Joseph Görres zu sprechen und erinnerte an dessen Wandel vom Anhänger der Französischen Revolution, die ihre Ideale von "Freiheit, Gleichheit, Sicherheit (!)" auf der Guillotine, in Krieg und in Diktatur zu Grabe trug, zum wortgewaltigen Verfechter von "Einheit, Freiheit und Recht", die letztlich zum deutschen Verfassungsstaat geführt haben. Keine Verfassung garantiere sich aber selbst. Auch in der modernen Staatsrechtslehre seien bisher selbstverständliche Zusammenhänge nicht mehr selbstverständlich, weil man die ganze Perspektive auf die Ursprünge verliere. Damit sei aber auch die Freiheit gefährdet. Hier sei das Christentum als das Fundament der Verfassung gefragt. Kirchhof appellierte auch an die Görres-Gesellschaft, das zerstörerische Potential der Wissenschaft zu bedenken, wenn sich Wissenschaft nur auf Praxis und Vernunft, aber nicht auch auf Gott beziehe. Er ermutigte die Ökumene und appellierte an die Kirche, "weil uns an ihr gelegen ist".