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Institutsgeschichte

Die Aufbauphase

1888 wurde das RIGG mit Sitz am deutschen Priesterkolleg im Vatikan gegründet. Es war das erste Auslandsinstitut der Görres-Gesellschaft (später folgten jene in Jerusalem, Madrid und Lissabon). Damals beschloss der Vorstand der Görres-Gesellschaft auf seiner Generalversammlung in Eichstätt die Errichtung des Römischen Instituts (zunächst „Römische Station"). Aufgabe sollte die wissenschaftliche Auswertung römischer Archive sein, nachdem Papst Leo XIII. durch die Öffnung der Vatikanarchive (1881) eine Welle von Institutsgründungen in Rom ausgelöst hatte. Der Vorstand bestellte eine Kommission, und diese berief sogleich den Luxemburger Priester Johann Peter Kirsch zum Leiter. Dieser traf am 6. Dezember 1888 in Rom ein. Damit nahm das Institut seinen Anfang.

PorträtfotoSchon vor der Gründung des Instituts hatte die Görres-Gesellschaft Verbindungen nach Rom geknüpft, wo der niederrheinische Priester Anton de Waal 1876 beim Campo Santo Teutonico ein wissenschaftliches Priesterkolleg gegründet hatte, mit dem die Görres-Gesellschaft eine bis heute fruchtbare Zusammenarbeit aufnahm. Für das Priesterkolleg und das neue Institut war von großer Bedeutung, dass de Waal persönlich stark an dem noch jungen Wissenschaftszweig der Christlichen Archäologie interessiert war und in seiner langen Amtszeit († 1917) in engem Kontakt mit dem Begründer der modernen Christlichen Archäologie Giovanni Battista de Rossi († 1894) und dessen internationalen Freundeskreis im Priesterkolleg und damit im Institut eine Begegnungs- und Forschungsstätte für diese Disziplin schuf. Es begann der systematische Aufbau einer historisch-archäologischen Fachbibliothek und einer frühchristlichen Sammlung (St. Heid, Wohnen wie in Katakomben. Kleine Museumsgeschichte des Campo Santo Teutonico [Regensburg 2016]; Katalog: Frühchristliche Kunst aus Rom [Essen 1962]). 1887 gründete de Waal die „Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte", die seit 1953 gemeinsam vom Priesterkolleg am Campo Santo Teutonico und dem Römischen Institut der Görres-Gesellschaft herausgegeben wird.

Johann Peter Kirsch hatte mit der Erforschung der kurialen Finanzverwaltung im 13. und 14. Jahrhundert begonnen, sich dann aber der Hagiographie, der frühchristlichen Liturgie und dem römischen Kirchenbau zugewandt. Die Mitglieder des ersten Direktoriums waren zwar angesehene Gelehrte, lebten aber nicht in Rom, wo Kirsch als mäßig besoldeter Leiter saß. Dieser griff 1890 zu, als ihm ein Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Christliche Archäologie in Fribourg angeboten wurde.

Porträtphoto WilpertErst 1895 kam der Trierer Priester Stephan Ehses als neuer Leiter nach Rom. In seinem langen Gelehrtenleben konzentrierte er sich auf die Kölner Nuntiatur und auf die Herausgabe von Quellen zur Geschichte des Konzils von Trient. Das Institut blieb also stark kirchengeschichtlich orientiert.

Da aber das Priesterkolleg mittlerweile zu einem Zentrum christlich-archäologischer Forschung geworden war, fand das seinen Niederschlag in den Arbeiten des Instituts. 1900 beschloss der Vorstand der Görres-Gesellschaft daher die Gründung einer Sektion für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte beim Institut. Sie war ganz auf das ehemalige Kollegsmitglied und schlesischen Priester Joseph Wilpert zugeschnitten und trat 1901 ins Leben. Die Gesamtleitung des Instituts blieb aber bei Ehses. Die neue Sektion erreichte nie die Aktivität der historischen Sektion und konnte nach dem 1. Weltkrieg nicht dauerhaft wiederbelebt werden.

Der erste Weltkrieg

Nachdem während des 1. Weltkriegs praktische alle Deutschen Rom hatten verlassen müssen, kamen die Arbeiten des Instituts erst 1921 wieder in Gang, Wegen der finanziellen Enge stützte man sich vor allem auf Gelehrte, die nur zu kurzen Besuchen nach Rom kamen. 1926 trat Kirsch wieder an die Spitze des Instituts. Er war inzwischen Gründungsrektor des Päpstlichen Instituts für Christliche Archäologie (1925). Die Publikationen des Instituts konzentrierten sich auf kirchengeschichtliche Themen, darunter vor allem auf die große Edition zum Tridentinum. In den späten 1930er Jahren wirkten sich die Devisengesetze der NS-Regierung und seit 1939 der Krieg negativ aus. Dennoch konnte das Institut weiterbestehen, als die Görres-Gesellschaft 1941 vom NS-Regime aufgehoben wurde, weil sie sich jeder Gleichschaltung aus katholischer Überzeugung widersetzte.

Nach dem 2. Weltkrieg

Im Gegensatz zu den anderen wissenschaftlichen Institutionen in Rom wurde das seit der Gründung des Vatikanstaats (1929) auf extraterritorialem Gebiet liegende Institut der Görres-Gesellschaft beim Kriegsende weder beschlagnahmt noch geschlossen. Die „Römische Quartalschrift" musste dagegen, wie schon im 1. Weltkrieg, 1942 ihr Erscheinen aus kriegswirtschaftlichen Gründen einstellen. Nach der Wiedergründung der Görres-Gesellschaft in Deutschland 1949 wurde das Römische Institut reaktiviert und der an der Gregoriana lehrende Kunsthistoriker und Jesuit Engelbert Kirschbaum, der während des 2. Weltkriegs maßgeblich an der Freilegung des Petrusgrabes mitgewirkt hatte, zum Direktor ernannt. Seitdem kamen neue Stipendiaten nach Rom. Neben den Forschungen gab es nun öffentliche Monatsvorträge, Führungen und wissenschaftliche Exkursionen. Seit 1953 erschien wieder die „Römische Quartalschrift", nunmehr im Auftrag des Priesterkollegs und des RIGG. Sehr erfolgreich waren die vom Kollegsrektor August Schuchert organisierten und zusammen mit Kirschbaum und Ludwig Völkl durchgeführten zweiwöchentlichen Romseminare für Religionslehrer.

Unter Kirschbaum wie auch unter seinen Nachfolgern, dem Passauer Priester Ludwig Voelkl, dem aus Euskirchen stammenden Dominikaner Ambrosius Eszer und dem Aachener Priester Erwin Gatz, lag der Hauptakzent auf dem Gebiet der Kirchengeschichte. Die Edition der Quellen zum Konzil von Trient wurde abgeschlossen, die Edition der Kölner Nuntiatur steht vor dem Abschluss. Während eine von Voelkl betriebene Photothek der frühchristlichen Basiliken nicht zum Abschluss gelangte, beteiligte das Institut sich durch Albrecht Weiland gemeinsam mit dem Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie, dem Deutschen Archäologischen Institut Rom und der Mainzer Akademie der Wissenschaften an der Bearbeitung der römischen Katakombenmalerei. Neue Aktivitäten des Instituts bildeten seit 1980 jährliche Symposien zu Fragen der Kirchengeschichte und Christlichen Archäologie. Ihre Referate werden zumeist in der „Römischen Quartalschrift" veröffentlicht.


Literatur:

  • H. Jedin, Die Erforschung der kirchlichen Reformationsgeschichte seit 1876 (Münster 1931).
  • E. Gatz, Hubert Jedin als Kandidat für das Rektorat des Campo Santo Teutonico, in Jahrbuch des italienisch-deutschen historischen Instituts in Trient 6 (1980) 225-233.
  • E. Gatz, Das Römische Institut der Görres-Gesellschaft 1888-1988, in Römische Quartalschrift 83 (1988) 3-18.
  • E. Gatz, L'Istituto Romano della Società di Görres, in P. Vian (Hg.), Speculum Mundi (Roma [1992]) 468-486.
  • E. Gatz, Das Römische Institut der Görres-Gesellschaft, in Der Neue Pauly 15,1 (2001) 684-689.
  • St. Heid, Der christliche Archäologe Joseph Wilpert und das Römische Institut der Görres-Gesellschaft, in Römische Quartalschrift 101 (2006) 4-49.
  • E. Gatz, Das Römische Institut der Görres-Gesellschaft von der Auflösung der Gesellschaft durch das NS-Regime (1941) bis zu seiner Reaktivierung nach dem Zweiten Weltkrieg (1949), in M. Mattheus (Hg.), Deutsche Forschungs- und Kulturinstitute in Rom in der Nachkriegszeit (Tübingen 2007) 181-192.
  • St. Heid, Dalla Germania con le matite appuntite. Alle origini dell'Istituto romano della Görres-Gesellschaft nel Camposanto Teutonico, in L'Osservatore Romano 153. Jg., Nr. 90 vom 18.4.2013, S. 4.
  • St. Heid, Prägende Zeiten - das Römische Institut der Görres-Gesellschaft 1925-1955, in: M. Matheus / St. Heid (Hg.), Orte der Zuflucht und personeller Netzwerke. Der Campo Santo Teutonico und der Vatikan 1933-1955 (Freiburg i.Br. 2015) 303-356.