Ingeborg Scholz verstorben - R.I.P.

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Am Freitag, dem 10. Juni, ist in der Frühe im Palliativzentrum Fondazione Roma (via A. Poerio, 100) Frau Ingeborg Scholz verstorben. Sie war seit 1987 ein überaus treues Mitglied des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft. Sie kam fast zu allen Vorträgen, bei Wind und Wetter und spendete regelmäßig den Wein für das Sommerfest. Sie war auch seit 1988 Mitglied der Erzbruderschaft am Campo Santo Teutonico. Daher wird sie dort am Mittwoch, dem 15. Juni, um 15 Uhr beigesetzt (zunächst Exequien). Ihre sterbliche Hülle befindet sich bereits in der Totenkapelle im Friedhof.

Frau Scholz war eine überaus liebenswürdige, feine, bildungsbewusste Frau, dazu schnörkellos katholisch. Sie nahm neben den Görres-Vorträgen auch an den kulturellen Führungen der Associazione Alma Roma teil, war aktives Mitglied des Collegium Cultorum Martyrum, besuchte regelmäßig die Oper, nahm immer an den Ausflügen der Bruderschaft teil. Das beistehende Foto zeigt sie beim Ausflug von Bruderschaft und Kolleg 2015 im Kloster Montecassino. Sonntags war sie regelmäßig am Campo Santo. Sie besaß eine wunderschöne Wohnung mit einem großen Balkon. Hier hat sie gern Freunde eingeladen; auch ich war dort zweimal.

Frau Scholz hat alles mit Genuss wahrgenommen, war immer begeistert, hat immer andere ermutigt und sich nie beschwert. Darüber staunten auch die Angestellten des Palliativzentrums, in dem sie sich seit letztem Jahr aufhielt: Während die Mitpatienten jammerten, Eifersüchteleien hatten oder sich hängen ließen, war sie immer adrett und hellwach. Sie musste zu den Veranstaltungen hingehen, um die andern aufzumuntern. Als ich sie dort Ende Februar besuchte, staunte ich nicht schlecht, dass sie sich an alles erinnerte, für alles interessierte, und sogar ihre Telefonnummer auf dem Zimmer auswendig wusste. Kein Wunder also, dass sie auch im Heim nicht allein war, sondern jede Woche Besucher kamen.

Frau Scholz war Argentinierin, in Buenos Aires geboren. Ihre Wurzeln lagen väterlicherseits in Schlesien. Nachdem Deutschland im März 1945 Argentinien den Krieg erklärt hatte, schikanierte Peron die Deutschen. Sie konnte nicht mehr, wie sie wollte, Musik studieren und musste arbeiten, zunächst 2-3 Jahre bei Villeroy und Bloch, die Kacheln in Argentien herstellten ("Ceramica San Lorenzo"). 1957 ging sie dann weg. Auf einer Europareise, auch zum Besuch der schlesischen Verwandten, verliebte sie sich in Florenz und Venedig. Fortan wollte sie in Italien bleiben. Es ergab sich, dass sie in der FAO für Sprachen arbeiten konnte, da sie Spanisch und Deutsch beherrschte. Kolleginnen wurden ihre besten Freundinnen, die aber längst alle verstorben sind. 1963 machte sie eine dreiwöchige Reise mit der Custodia di Terra Santa mit einem kleinen Schiff (keine Luxusfähre wie heute) nach Ägypten, Palästina, Jordanien, Libanon. Jeden Tag gab es eine religiöse Einweisung. "Früher reiste man, heute wird man transportiert". Sie wollte nie hoch hinaus, sondern ihre acht Stunden arbeiten und dann den Rest des Tages frei haben für Musik, Kultur, Archäologie usw. Viele Jahre hat sie an der FAO gearbeitet, bis der Computer eingeführt wurde. Dann hat sie den Abschied genommen, um ihrer eigentlichen Leidenschaft nachzugehen: der Literatur, Kunst und Kultur auf allen Ebenen. Deshalb war es eine große Prüfung für sie, dass sie in den letzten Jahren immer schlechter sehen konnte.

S.Heid