Die Geschichte des Christlichen Orients

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Eine Wissenschaftsgeschichte von Hubert Kaufhold

Die einzige deutsche katholische Universität Eichstätt gerät wegen dramatischer Kürzungen im Bereich der Geisteswissenschaften in die Schlagzeilen. Solche Kürzungsorgien - 20 Professuren entfallen - verbreiten Angst und Schrecken, und es ist oft nicht einfach, in Ruhe seinem wissenschaftlichen Auftrag nachzugehen. Die Forschungsstelle Christlicher Orient ist ein junges Pflänzchen, das auf Initiative von Heinz Otto Luthe von Professoren der Universitäten Eichstätt, München und Bamberg 2009 in den Eichstätter Boden gesetzt wurde. Ihr Anliegen ist es, den immer weiter marginalisierten orientalischen Christen von wissenschaftlicher Seite aus eine Stimme zu verleihen.

Die Forschungsstelle gibt die "Eichstätter Beiträge zum Christlichen Orient" heraus. Band 1 trägt den lokalpatriotischen Titel "Vom Euphrat an die Altmühl - Die Forschungsstelle Christlicher Orient an der Kath. Univ. Eichstätt-Ingolstadt" (Einleitung hier). Der bei weitem wichtigste und umfangreichste Beitrag stammt von Hubert Kaufhold, der eine kompakte Wissenschafts- und Universitätsgeschichte der Orientalistik vom Mittelalter bis heute mit vielen höchst interessanten Details bietet.

Ein Beispiel sei herausgegriffen (S. 35-37): Die hinter dem Petersdom liegende Kirche Santo Stefano degli Abissini (neben der Kirche des Campo Santo eines der ganz wenigen historischen Gebäude des Vatikans, die Pius XI. bei der Errichtung des Vatikanstaats 1930ff nicht abreißen ließ, heute nur noch als Hochzeitskirche für Vaticanisti genutzt) besaß ein Kloster, in dem wahrscheinlich seit 1481 bis Ende des 17. Jh. äthiopische Mönche wohnten. Auch Besucher aus Äthiopien waren dort zu Gast. Eine Reihe dieser Mönche war Gelehrte, die eine wichtige Funktion für die Vermittlung der äthiopischen Schrift und Sprache an den Westen besaßen. So gab der Mönch Petrus Aethiops 1548/49 in Rom das äthiopische Neue Testament und liturgische Texte gedruckt heraus. Der Mönch Gregorius brachte 1649 in Rom dem lutherischen Gelehrten Hiob Ludolf aus Erfurt Äthiopisch bei und besuchte diesen später in Gotha. Leider starb Gregorius 1658 bei einem Schiffbruch.

Insgesamt ist der Beitrag von Kaufhold äußerst lesenswert. Allerdings wird dort der Beitrag der Görres-Gesellschaft für die Orientalistik ausgeklammert, der sich an den Namen Georg Graf und Anton Baumstark festmacht. Seit 1908 besaß die Gesellschaft das Jerusalemer Institut, das zum Zentrum der orientalistischen Bemühungen wurde.

S.Heid