Die bewegende Geschichte der Clara Pfänder

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Eines der wichtigsten Dokumente aus dem Leben der Ordensgründerin Clara Pfänder (1827-1882) liegt im Archiv des Campo Santo Teutonico: eine Geheimvollmacht des Bekennerbischofs Konrad Martin von Paderborn an Pfänder (S. 298). Dorthin geriet das Schreiben, weil der Rektor Anton de Waal Kontakt zu Clara Pfänder hatte. Deren Leben wird jetzt sehr lebendig und mit großem historischen Interesse beschrieben von Sr. Carola Thomann in dem Buch Die Sonne bleibt oben. Der Lebensweg von Mutter M. Clara Pfänder, Gründerin der Franziskanerinnen Salzkotten.

Das Buch ist ein berührendes Zeugnis über die Unwägbarkeiten des Ordenslebens, über den für heutige Verhältnisse unvorstellbaren Aufbauwillen katholischer Frauen im 19. Jahrhundert und über den Mut dieser Frauen in der Verfolgung und Bespitzelung des Kulturkampfs. Zwar gerät das Buch zu einer Art Heiligsprechung einer damals bis zu ihrem Tod verfemten Frau, aber das Ganze hat doch nichts Süßliches an sich, sondern ist eher der historischen Redlichkeit geschuldet. Die Lektüre stellt die Kirche mit allen Glanz- und Schattenseiten dar. Man mache sich klar, dass Pfänder nur eine unter vielen Dutzend Ordensgründerinnen des 19. Jahrhunderts war, die trotz aller politischen Widerstände förmlich eine Explosion des sozialen und karitativen Engagements in der Gesellschaft auslösten, wie es heute nur noch schwer vorstellbar ist.

Pfänder kam 1880 nach Rom, um sich gegen die im Kulturkampf gegen sie erhobenen Vorwürfe zu verteidigen. Hier suchte sie auch bei de Waal Hilfe. Sie verstarb bereits 1882 und wurde in einem Armengrab auf dem Campo Verano bestattet. Auf dem Campo Santo Teutonico wurde 1979 eine ehrende Gedenktafel angebracht (Weiland, Der Campo Santo Teutonico, 365f).