Der faschistische Romanitas-Kult

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Claudia Müller hat in der politikwissenschaftlichen Reihe der Görres-Gesellschaft eine bemerkenswerte Studie über Politische Religion und Katholizismus: Geltungsgeschichten im faschistischen Romanità-Kult (2017) veröffentlicht. Seit dem Marsch Mussolinis auf Rom 1922 wird Rom von den Schwarzröcken immer mehr vereinnahmt. Es ist nach der risorgimentalen Besetzung der Hauptstadt des Kirchenstaates der zweite Versuch, Rom dem christlich-päpstlichen Anspruch zu entwinden und mit einer neuen Ideologie politisch-religiös zu vereinnahmen. Der Duce Mussolini hat sich natürlich nicht auf den christlichen Kaiser Konstantin rückbezogen, sondern auf den Heiden Augustus.

Ein Kulminationspunkt war die Mostra Augustea della Romanità 1938, bei der freilich - typisch Italien! - auch ein christlicher Saal vorgesehen war, an dem Christliche Archäologen beteiligt waren (unter anderem Joseph Wilpert). Denn natürlich konnte Mussolini im katholischen Italien das Christentum (noch) nicht ganz ausklammern. Er versuchte es für sich zu vereinnahmen. Besonders lesenswert ist daher der Abschnitt über Christliche Archäologie und Romanitas-Kult. Vor allem Carlo Cecchelli (Prof. an der Sapienza) sah anfangs eine Brücke zwischen Katholizismus und Faschismus, indem durch das Christentum die Romanitas überhaupt fortgelebt habe - ein Topos seit Eusebius. Hingegen war Erik Peterson, Professor am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie, strikt gegen eine politische Theologie. Nicht zufällig war Peterson auch ein strikter Gegner des Nationalsozialismus (zu Cecchelli und Peterson siehe auch Personenlexikon zur Christlichen Archäologie).