Christian Schaller über Pius IX.

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altDer zusammen mit Johannes XXIII. seliggesprochene Pius IX. war zweifellos ein großer Papst, nicht nur weil er der längstamtierende Papst war - 32 Jahre von 1846-1878! -, sondern auch weil er trotz seiner unbeirrten Ablehnung des zeitgeistigen Nationalismus ausgesprochen populär war. 1871 trug man ihm sogar ausdrücklich den Beinamen "il Grande" als Titulatur an, was er jedoch ablehnte. Man kann sagen, dass Pius vielleicht der erste Papst war, der den modernen Populismus für das Papsttum entdeckte und nutzbar machte. Jedenfalls wird seine faszinierende Persönlichkeit eine wichtige Rolle auf zwei Tagungen spielen, die das RIGG 2017 veranstaltet: im März über die Massenmobilisierung durch Päpste und im November zum 100. Todesjahr des Rektors des Campo Santo Anton de Waal (+ 1917). Daher sei das Taschenbuch "Papst Pius IX. begegnen" (2003) des Stellvertretenden Direktors des Regensburger Instituts Papst Benedikt XVI. unbedingt zur Lektüre empfohlen.

Das Taschenbuch ist sehr flüssig geschrieben. Schaller fasst mit hoher historischer Kompetenz und theologischer Klarsicht die herausragende Rolle Pius' IX. im europäischen Drama des 19. Jahrhunderts zusammen. Das Buch liest sich wie eine Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts mit vielen Einsichten und erhellenden Bezügen. Der heutige Katholizismus in Deutschland/Italien ist ohne Pius IX. überhaupt nicht verständlich, und - Schaller deutet dies an - die katholische Kirche würde als ernstzunehmender Faktor in Europa heute nicht existieren, wenn nicht Pius' IX. gegen den Dämon des Nationalismus und antichristlichen Liberalismus unbeirrbar geblieben wäre. Sein Pontifikat war geprägt von Volksnähe, pastoraler Modernität bei dogmatischer Klarheit und unzweideutiger Katholizität.

Schaller erwähnt auch Anton den Waal, den "Gründungsrektor" des Campo Santo, ferner Pius' IX. Bedeutung für die Christliche Archäologie. Denn es war Pius, der die Erforschung der Katakomben durch Giovanni Battista de Rossi entschieden förderte und nicht zufällig bei den Märtyern - in der Friedhofskirche San Lorenzo - begraben werden wollte.

Zu Pius IX. als Förderer der Christlichen Archäologie siehe Personenlexikon zur Christlichen Archäologie.