Bischofsernennungen - Ratschläge eines alten Dominikaners

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Am Bücherstand des Verlags Aschendorff auf der Hildesheimer Generalversammlung der Görres-Gesellschaft fiel mir ein wunderbares Heftchen in die Hände, das ich mir doch gleich gekauft habe. Der Kölner Priester und Augsburger Dogmatikprofessor Thomas Marschler hat seinen zahlreichen, äußerst gelehrten Publikationen eines kleines Heft hinzugefügt: Praelati et praedicatores. Albertus Magnus über das kirchliche Leitungs- und Verkündigungsamt (in der Reihe "Lectio Albertina", Nr. 16). Es wäre doch nicht das Falscheste, bei allen Bischofsernennungen, die da so anstehen, dieses Heft für wohlfeile 9,20 Euro in die Hand zu nehmen. Das gilt nicht nur für die Bischofsmacher, sondern auch für die Bischofsmöchtegerngemachtwerdenden.

Bekanntlich ermuntert schon die Heilige Schrift die Zögernden ausdrücklich, das offenbar leider schon damals unattraktive Bischofsamt anzustreben: "Wenn jemand nach dem Bischofsamt strebt, ist das eine gute Sache!" (1. Timotheusbrief 3,1). Klerikaler Karrierismus ist also biblisch fundiert. Was macht Albertus draus? Immerhin wurde er selber Bischof - im Jahr 1260 in Regensburg! Albertus bleibt bei der Tradition: Lehre - Sakramentenspendung - Leitung sind die drei Pfeiler des Bischofsamtes. Dabei überrascht es nicht, dass der Kölner Dominkaner vor allem auf den Predigtdienst wert legt. Ein Franziskaner hätte sicher die Armut für unverzichtbar gehalten, ein Jesuit den widerspruchslosen Gehorsam, ein Charismatiker das spontane Jubeln u.s.w. Aber natürlich weiß auch Albertus, dass vom guten Hirten viel mehr verlangt wird als das. Das Bändchen, das nicht nur Bischöfe, sondern überhaupt die Amtsträger in der Kirche in den Blick nimmt, sei zur Lektüre herzlich empfohlen.

In derselben Reihe sei auf folgende Hefte hingewiesen:

S.Heid